Campfire Campfire 2018 (Samstag)

Wem gehört Düsseldorf? Correctiv und RP stellen gemeinsames Projekt vor

1. September 2018

Wem gehört Düsseldorf? Correctiv und RP stellen gemeinsames Projekt vor

Der Düsseldorfer Immobilienmarkt ist intransparent. Ein neues journalistisches Projekt, das auf dem Campfire vorgestellt wurde, soll das ändern: Mit „Wem gehört Düsseldorf?“ können alle Bewohner der Stadt helfen, die Eigentumsstrukturen aufzudecken.

Das Düsseldorf ein Wohnungsproblem hat, ist fast schon eine Binsenweisheit. Für all die Menschen, die in die Stadt strömen, sind nicht genug Wohnungen gebaut worden. Wenn das Angebot zu knapp für die Nachfrage ist, steigen die Preise – in diesem Fall die Mieten. Das macht den Düsseldorfer Wohnungsmarkt attraktiv für Immobilienspekulationen aller Art. Wie groß das Problem ist, ist aber relativ schwer abzuschätzen, denn der Immobilienmarkt ist intransparent.

Hier setzt ein neues Projekt des Recherchebüros Correctiv in Zusammenarbeit mit der Lokalredaktion Düsseldorf der Rheinischen Post an: Wem gehört Düsseldorf? Im RP-Zirkuszelt stellten es Justus von Daniels (Correctiv), Uwe-Jens Ruhnau (RP-Lokalchef) und Laura Ihme (Projektverantwortliche in der Lokalredaktion) gemeinsam vor.

Was genau ist das Problem? Es gibt kaum frei verfügbare Informationen darüber, wem die Häuser in Deutschland gehören, sagte Justus von Daniels auf der Bühne. „Das Grundbuch in Deutschland ist eins der geschlossensten und versiegeltsten Bücher überhaupt.“ In anderen europäischen Ländern wird das transparenter gehandelt. In Deutschland ist es aber schwierig zu ermitteln, welche Immobilienfirma beispielsweise besonders aktiv in einer bestimmten Stadt ist. Genau diese Firmen sind aber möglicherweise mit Schuld an den hohen Mieten in Düsseldorf, weil sie die Preise hochschrauben, um höhere Renditen zu erzielen. „Wohnen ist zu einer Existenzfrage geworden“, sagte von Daniels. „Die Menschen finden einen Job in Düsseldorf, können aber keine Wohnung finden.“

Wie soll die Lösung aussehen? Gemeinsam mit Correctiv fragt die Rheinische Post: Wem gehört Düsseldorf? Die Antwort geben sollen die Mieterinnen und Mieter der Stadt gemeinsam. Jeder einzelne kann in einem Tool namens CrowdNewsroom ab demnächst seine Daten für die Recherche zur Verfügung stellen. Es geht um die Frage: Wem gehört das Haus, in dem ich wohne? Aber natürlich interessiert die Journalisten auch, wenn es konkrete Geschichten gibt, die Mieter über ihre Vermieter erzählen wollen. Wo gibt es Probleme mit der Instandhaltung der Wohnung oder Mieterhöhungen? Wo gibt es vielleicht auch positive Erfahrungen mit fairen Vermietern? Mitmachen kann jeder Bewohner der Stadt auf www.wem-gehoert-duesseldorf.de.

Warum gerade Düsseldorf? Das Wohnungsproblem ist in Düsseldorf extrem groß. Das Thema bewege die Düsseldorfer sehr, sagte Laura Ihme auf dem Campfire-Festival. „Die Leute haben das schon ein Stück weit angenommen. Es gibt noch nicht den Geist zu fragen: Was können wir dagegen tun?“ Das Projekt „Wem gehört Düsseldorf?“ soll das Bewusstsein für das Thema steigern. Es gibt auch bereits konkrete Beispiele in Düsseldorf, wo es sich sehr lohnt, hinzuschauen. Beispielsweise gab es 2017 in Düsseldorf sogenannte Sharedeals in Höhe von einer Milliarde Euro. Dabei kauft ein Investor ein Mietshaus, macht daraus eine GmbH und verkauft diese weiter. Dadurch spart der Käufer die Grunderwerbssteuer. Diese Deals sind legal, aber dem Fiskus entgehen dadurch Millionen. In Oberkassel wird die Lokalredaktion an einer Geschichte über Entmietungen dran bleiben. Das Glasmacherviertel in Gerresheim wird derzeit als Immobilienstandort entwickelt. Besonders Familien sollten hier preiswerten Wohnraum finden – doch dann verkaufte die Immobiliengesellschaft das Gelände für einen exorbitanten Preis. Was wird jetzt aus den Plänen?

Mehr Infos zum Projekt gibt es unter www.wem-gehoert-duesseldorf.de.