Campfire-Schülerredaktion

Ist das wirklich noch Künstlerfreiheit?

2. September 2018

Ist das wirklich noch Künstlerfreiheit?

Es war die Schlagzeile im Frühling 2018. Kollegah und Farid Bang spielten ihr neustes Lied „All eyez on us“ von ihrem Album JPG3, welches kurz danach für große Aufmerksamkeit sorgte. Vor allem die Zeile „Mein Körper ist definierter als der eines Auschwitzinsassen.“, löste viel Aufruhr aus, als die beiden Rapper unter anderem mit diesem Song für den Echo 2018 nominiert waren. Ist diese Zeile antisemitistisch, oder soll sie einfach nur als provokative Kritik an der Gesellschaft dienen? Die Correctiv-Journalistin Marta Orosz moderierte die Gesprächsrunde mit dem überregionalen Journalisten Dennis Sand und dem Popkulturjournalisten Lars Weisbrod, die sich zum Thema Gangsterrap schon häufiger geäußert haben.

Dennis Sand berichtete von seiner Arbeit mit dem Deutschrapper Spongebozz. Sein privates Interesse für Deutschrap begann mit Kollegah, und somit fing er an, sich auch in seinem Berufsleben mit Deutschrap zu beschäftigen. Lars Weisbrod, der hauptsächlich zum Thema Popkultur schreibt, entwickelte ebenfalls ein berufliches Interesse am Genre Gangsterrap. Und spätestens nach dem Echo-Skandal wurde das Interesse größer.

Ziel der Gangsterrap- Branche ist es, möglichst brutale und provokante Beleidigungen zu verwenden, um den Konflikt der Straße in eine Kunstform umzuwandeln. Doch wie weit darf ein Künstler mit seinen Formulierungen gehen ?

Im 21. Jahrhundert werden Künstlern keine Grenzen gesetzt. Jeder darf die Formulierungen verwenden, die er verwenden möchte. Doch dabei wird keine Rücksicht auf empfindliche Themen wie Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus genommen. Das Problem ist, dass nicht jeder die Message hinter den Texten versteht. So hören zum Beispiel viele Jugendliche die Texte von Kollegah und Farid Bang und können vermutlich nicht beurteilen, inwiefern diese die Meinung des Künstlers vertreten. Viele kritisieren dies und erwarten von deutschen Musikpreisen wie dem Echo, diese Musikform nicht zu unterstützen. Doch die Veranstalter der Preise fühlen sich nicht zuständig dafür, bei Texten auf den Jugendschutz zu achten. Man könne Texte nicht nach ihrem pädagogischen Niveau beurteilen, da sonst viele wichtige Themen in Liedern nicht verwendet werden könnten, meinte Lars Weisbrod. Dennis Sand unterstützt dies: „Die Jugendlichen wissen meist, dass nicht alle Texte die Meinung der Künstler vertreten, da sie mit dieser Musik aufgewachsen sind.“ Er verglich dies mit Actionfilmen, in denen die Schauspieler auch härter rüber kommen als sie eigentlich sind. „Viele Rapper tun in der Öffentlichkeit, als wären sie harte Männer, dabei haben sie in echt ihre eigene Familie und sind ganz normal“, sagte Dennis Sand. Um beurteilen zu können, ob der Text von Farid Bang und Kollegah antisemitistisch ist, muss zuerst die Frage geklärt werden, wo Antisemitismus beginnt, und das ist noch unklar. Somit bleibt die Frage bestehen, ob „All Eyez on Us“ Künstlerfreiheit ist oder schon Antisemitismus.

(Von Jolina Schmidt und Athena Riegel)

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Journalismus-Workshops für Schüler auf dem Campfire entstanden. Organisiert wurde der Workshop vom Correctiv.