Campfire-Schülerredaktion 2019

Der Zug als Alternative zum Flugzeug?

31. August 2019

Der Zug als Alternative zum Flugzeug?

Ein Beitrag von Paul Naal, Bergisch Gladbach. Dieser Text ist im Rahmen der Schülerredaktion der Reporterfabrik des Correctiv auf dem Campfire entstanden.

Ich schlage meine Augen auf. Ich wache von dem Quietschen der Bremsen auf. Der Nachtzug hält am Flughafen Frankfurt am Main Fernbahnhof. Meine Liege ist hart, trotzdem konnte ich einige Stunden schlafen. Aus einer der fünf anderen Liegen kommt ein leises Schnarchen. Normalerweise fliege ich von hier in den Urlaub, heute ist das anders. Ich habe mich für den Zug entschieden, um mit einem guten Gewissen in den Urlaub zu starten. Doch warum eigentlich?

188,4 Kilogramm CO2 habe ich durch meine Zugfahrt gespart, steht auf meinem Ticket. Besonders seit den „Fridays for Future“-Demonstrationen mache ich mir Gedanken über den Klimawandel. Doch wie viele Menschen steigen inzwischen tatsächlich wegen des Klimas auf die Bahn um? Bei einer kürzlich veröffentlichen Umfrage des World Wildelife Fund (WWF) in Schweden gaben 20 Prozent der Befragten an, aus Umweltgründen vom Flugzeug auf den Zug umzusteigen.

Im vergangenen Jahr stiegen die Fahrgastzahlen im Fernverkehr der Deutschen Bahn um vier Prozent an. Dagegen sinken die Zahlen des innerdeutschen Flugverkehrs leicht. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zählte 24 Millionen innerdeutsche Passagiere im Jahr 2017. Trotzdem: Warum wird innerdeutsch immer noch so viel geflogen und warum nutzen die Passagiere nicht die Bahn?

Geschäftsreisende wählen das Flugzeug. Sie wollen vor allem Zeit sparen. Da ist das Flugzeug der Bahn auf den meisten Strecken überlegen. Hinzu kommt, dass im Jahr 2018 nur 71,8 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich waren. Ein sehr wichtiges Kriterium für viele Reisende ist zudem der Preis. Am Himmel über Deutschland herrscht ein Preiskampf, bei dem sich die Konkurrenten gegenseitig unterbieten. Innerdeutsche Flüge auf den stark frequentierten Strecken, zum Beispiel Berlin nach München, findet man bei Eurowings schon für knapp 25 Euro. Bahnpreise für diese Strecke liegen darüber. Die Forschungsgruppe Wahlen fand im Auftrag des BDL 2016 heraus, dass 29 Prozent der Befragten das Flugzeug als das Verkehrsmittel mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis bewerteten — deutlich mehr als bei der Bahn. Also ist die Bahn für viele keine Alternative zum Flugzeug.

Um die negativen Folgen der Klimaerwärmung einzudämmen hat sich die Weltgemeinschaft mit dem Pariser Klimaabkommen darauf verständigt, den Treibhausgasausstoß deutlich zu minimieren um die Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Um dies zu erreichen muss Deutschland im Verkehr mehr Klimagase einsparen. Der Umstieg vom Flugzeug auf den Zug wäre dazu ein wichtiger Schritt. Um dies zu erreichen, muss die Politik nötige Rahmenbedingungen schaffen um das Bahnfahren attraktiver zu machen. Dazu gehört ein massiver Ausbau des Schienennetzes um Verspätungen zu vermeiden. Mehr Hochgeschwindigkeits-Trassen mit weniger Zwischenhalten können die Fahrzeit zwischen großen Städten verkürzen.

Ebenfalls muss noch stärker in die Zugflotte investiert werden, um Störungen vorzubeugen und den Kunden ein angenehmes Fahrerlebnis mit schnellem, kostenlosen Internet, funktionierenden Klimaanlagen und guten Sitzen bieten zu können. Um das Bahnfahren günstiger zu machen, könnte außerdem der Mehrwertsteuersatz auf Fernfahrten von aktuell 19 auf sieben Prozent heruntergesetzt werden. Diesen Vorschlag äußerte Bundesverkehrsminister Scheuer im April 2019.

Für klimafreundlicheres Reisen innerhalb Deutschlands muss man auch bei dem Luftverkehr Veränderungen erwirken. In Deutschland wird bereits für jede innerdeutsche Flugbuchung eine Luftverkehrssteuer in Höhe von acht Euro erhoben, deren Einnahmen in verschiedene Bereiche fließen. Eine Zweckbindung dieser Einnahmen für Umweltprojekte fördert einen Ausgleich. Viele Luftfahrtunternehmen erforschen darüber hinaus den Einsatz von Biokerosin, welches zum Beispiel aus Algen gewonnen werden kann. Dabei wird ausschließlich CO2 freigesetzt, das vorher der Atmosphäre entzogen wurde. Doch die Herstellungskosten sind verglichen mit Kerosin aus Erdöl hoch. Um Biokerosin flächendeckend zu verwenden, muss die Politik noch viel Geld in die Forschung und Herstellung stecken. 

Mit einem sanften Ruckeln fährt mein Zug wieder an. Er wird schneller während er aus dem Flughafenbahnhof hinausfährt und den Flughafen hinter sich lässt. Bald werde ich mit dem Zug mein Urlaubsziel erreicht haben.

(Foto: Shawn.ccf/Shutterstock)