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Weihnachtsgeld für Asylbewerber? Wie das Bundespresseamt auf Fake-News reagiert

31. August 2019

Weihnachtsgeld für Asylbewerber? Wie das Bundespresseamt auf Fake-News reagiert

Facebook, Instagram, Snapchat – und jetzt auch Tiktok: Wie die Menschen Medien nutzen, verändert sich auch durch soziale Medien rasant. Dazwischen: Falschinformationen, weniger Vertrauen in Zeitungen, Rundfunk und deren Geschichten. Johannes Dimroth saß sechs Jahre in der Bundespressekonferenz und gab Journalisten dort Auskunft über die Arbeit des Bundesinnenministeriums. Seit 2018 arbeitet Dimroth im Bundespresseamt in der Abteilung 3 Politische Information. In den sozialen Netzwerken erreichen ihn immer wieder Infos, die ungeprüft geteilt werden. Wie reagiert man dort auf den Wandel? Auf dem Campfire-Festival in Düsseldorf erklärte er vier wichtigsten Schritte aus seiner Sicht:

1. Aufklärung betreiben
„Wir tun uns mit dem Begriff Fake-News schwer“, sagt Dimroth. „Wir sprechen lieber von Desinformation.“ Das Wort Fake-News sei mittlerweile selbst zu stark in den Diskurs gerückt. Auch abseits davon hätten viele Menschen einen völlig falschen Eindruck davon, wie Journalisten und Pressesprecher arbeiten. Immer wieder komme es vor, dass Besuchergruppen im Presseamt fragen, wann denn morgens die Telefonkonferenz von Angela Merkel mit den zehn wichtigsten Chefredakteuren des Landes beginne.

2. Die Medien beobachten
„Das erste, was ich jeden Morgen im Büro mache, ist der Blick ins Monitoring“, sagt Dimroth. Dort sammelt das Bundespresseamt die Nachrichten des Tages: Was passiert heute? Über was wird offline und online diskutiert? Das Monitoring gibt einen Überblick über das, was in Rundfunk, Print und Social Media passiert. In dem Dossier werden auch Falschmeldungen aufgeführt, die im Netz stark viral gegangen sind.

3. Nicht zu früh reagieren
Taucht ein Post auf, der falsche Infos enthält und der den politischen Diskurs absichtlich zu manipulieren versucht, wägt das Presseamt immer ab, ob sich ein Eingreifen lohnt. „Wenn man zu schnell reagiert, kann es sein, dass man dadurch die Meldung nur noch weiter verstärkt“, sagt Dimroth. Wichtig sei, wie relevant die Falschmeldung bereits geworden sei.

4. Richtig reagieren
Eine der Falschmeldungen, die sich bisher am schnellsten verbreitet hat, lautete: Asylbewerber bekommen am Ende des Jahres Weihnachtsgeld. „Wir haben dann einen Gegenimpuls gesetzt, ohne die Meldung zu wiederholen“, sagt Dimroth. Auf Twitter und Facebook hat das Presseamt die rechtliche Lage veröffentlicht – nämlich, dass Asylbewerber ohne Job kein Weihnachtsgeld bekommen.

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#Klargestellt: Flüchtlinge erhalten KEIN Weihnachtsgeld. Aktuell kursieren bewusste Falschmeldungen in den sozialen Medien, die das Gegenteil behaupten. Die Bundesregierung stellt klar:

Gepostet von Bundesregierung am Montag, 29. Oktober 2018

Drei spannende Zitate des Talks:

  1. „Wir orchestrieren eine kakophonische Melodie.“
  2. „Macht die Politik einen Fehler, wird sie in die Mangel genommen. Machen Journalisten Fehler, wird ihnen von Kollegen zu wenig auf die Finger geschaut.“
  3. „Ich hätte nicht erwartet, dass Rezo so schnell so relevant werden könnte.“

(Foto: Alexander Triesch)

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