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„Durch zu milde Strafen für Gaffer nimmt der Respekt vor der Polizei ab“

1. September 2019

„Durch zu milde Strafen für Gaffer nimmt der Respekt vor der Polizei ab“

Als die Handys Kameralinsen bekamen, war plötzlich jeder irgendwie Fotograf. Das ist eigentlich schön – sorgt aber dafür, dass nun auch Dinge dokumentiert werden, die eigentlich nicht auf Foto oder Video gehören. Unfälle im Straßenverkehr etwa. Immer wieder werden Polizisten und Rettungskräfte bei ihren Einsätzen behindert, weil Gaffer im Weg stehen und ihre Handys zücken. Gleichzeitig muss sich auch die Polizei im Netz rechtfertigen, ob sie die Wahrheit zu Tätern und Opfern schreibt. Dazu diskutierten im RP-Zirkuszelt auf dem Campfire-Festival Volker Aschoff (Leiter Öffentlichkeitsarbeit Polizei Dortmund), Christoph Reichwein (freier Fotograf) und Thomas Schweres (freier Journalist) mit RP-Redakteurin Judith Conrady. Wir haben ihre wichtigsten Zitate aus dem Talk zusammengetragen.

Der Polizist (Volker Aschoff, Polizei Dortmund)

„Die Situation für unsere Beamten im Einsatz ist total schwierig geworden, seit es Social-Media gibt.“
„Wir wollen bei Einsätzen professionellen Journalisten die Chance geben, ihren Job gut zu machen.“
„Es gibt auch innerhalb der Polizei unterschiedliche Meinungen dazu, ob wir die Nationalität bei Straftaten nennen oder nicht.“
„Wenn wir schreiben, das war ein Deutscher, fragt jemand: Ja, wie heißt denn der? Wo kommt der wirklich her? – Wie weit wollen wir sowas treiben?“
„Die Leute, die sagen, dass wir etwas verheimlichen, sind sehr laut im Netz.“
„Wir haben überhaupt keine Angst vor schwierigen Veröffentlichungen.“

Der Journalist (Thomas Schweres, freier Journalist)

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„Wir Journalisten, die direkt am Einsatzort sind, werden mit den Gaffern in einen Topf geworfen.“
„Es gibt eine große Bandbreite zwischen seriösen Journalisten und Leuten, die für irgendwelche obskuren Online-Magazine arbeiten.“
„Aus Einspaltern werden große Stories, weil irgendein Nachbar ein Video gedreht hat, auf dem zu sehen ist, wie zwei Nachbarn mit Baseballschägern aufeinander losgehen.“
„Man muss als Journalist immer schreiben, was man weiß.“
„Es gibt heute organisierte Gruppen, die den Polizeifunk abhören und gezielt zu Unfällen fahren.“
„Durch zu milde Strafen für Gaffer nimmt der Respekt vor der Polizei ab.“

Der Fotograf (Christoph Reichwein, freier Fotograf, u.a. für die Rheinische Post)

„Ich würde niemals ein Foto machen, wo eine Leiche im Auto sitzt.“
„Ich stelle mir die Polizisten so ins Bild, dass sie Verletzte und Tote verdecken.“
„Ich muss nicht wissen, wo derjenige herkommt, der jemanden umgebracht hat.“
„Flatterband ist nur noch ein grober Hinweis. Es latscht immer irgendeiner da durch. Als Kind habe ich noch stramm gestanden, wenn ein Polizist vor mir stand.“
„Zum Teil gab und gibt es Zeitungen, die Geld bezahlt haben für Gaffer-Videos. Man muss sich also nicht wundern, dass die Leute da draußen keine Skrupel mehr haben.“
„Mir hat mal jemand bei Facebook ein Bild geschickt, wo jemand aus einem brennenden Haus springt. Der fragte, ob wir das nicht brauchen können.“

(Foto: Tobias Block)

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