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Facebook-Gruppen-Admins aus NRW und ihr Umgang mit Hatespeech

1. September 2019

Facebook-Gruppen-Admins aus NRW und ihr Umgang mit Hatespeech

2,41 Milliarden monatlich aktive Nutzer sind weltweit auf Facebook unterwegs. 1,4 Milliarden von ihnen engagieren sich regelmäßig in Gruppen – das sind drei von fünf Nutzern weltweit. Auch in Deutschland ist die Quote hoch: 65 Prozent der 32 Millionen monatlich aktiven Nutzer sind hierzulande in einer Facebook-Gruppe aktiv. Im RP-Zirkuszelt auf dem Campfire ist Laura Harlos von der Rheinischen Post dem Phänomen der lokalen und regionalen Facebook-Gruppen auf den Grund gegangen. Sie hat nachgefragt, und zwar bei denen, die sich um die Gemeinschaft in Gruppen kümmern: den Admins. Vier Fragen an Andy Heine („Du kommst aus Kleve, wenn…“), Nici Krüger und Andrea D’Addario („Du bist Mönchengladbacher, wenn…“) und Patrick Gormann („Papa-Gruppe“)

Warum ist eure Facebook-Gruppe so wichtig?

Nici Krüger Es gab vorher eigentlich keine Gruppe für Mönchengladbach. Darauf sind wir also angesprungen. Anfangs ging es nur darum, alte Bilder aus Mönchengladbach zu posten, es ging viel um Nostalgie. In den ersten Tagen hatten wir schon über 10.000 Mitglieder.

Patrick Gormann Es gibt in ganz Deutschland nur zwei bis drei vernünftige, ernstzunehmende Papa-Gruppen. Bei uns können sich Väter untereinander austauschen. Und meistens wenden sich die Menschen, wenn man ehrlich ist, an Facebook, wenn sie Probleme haben. So ist das auch bei uns: Mit vielen Problemen stehen Väter sehr oft alleine da. Da geht es viel um Unterhaltsfragen, anwaltliche Fragen bei der Scheidung, Sorgerechtsfragen. Und eigentlich kann man es mit einem Wort beschreiben: Wir sind wie eine große Familie.

Andy Heine Kleve ist mir wichtig, das ist meine Hiemat. Mich interessiert es einfach, was in meiner Stadt los ist und das Miteinander reizt mich sehr. Die Community ist mir wichtig.

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Wie viel Zeit investiert ihr als Admins in die Organisation der Gruppen?

Patrick Gormann Das Wichtigste ist, die Benachrichtungen per Klingelton auszuschalten. Fast im Zwei-Minuten-Takt gehen die Meldungen bei uns rein – ob es Beitrittsanfragen oder freizuschaltende Beiträge sind. Das ist schon eine Menge Arbeit.

Nici Krüger Momentan sind wir zu sechst im Moderatoren-Team. Jeder macht das, was er kann und wenn er Zeit hat. Es kann aber auch mal sein, dass mal fünf Stunden am Stück keiner online ist. Ich persönlich bin auch eine der wenigen, die nicht übers Handy in Facebook geht. Der Mensch muss ja auch mal schlafen.

Wie geht ihr mit Hass in eurer Gruppe um?

Andy Heine Es gibt viele, die einer Gruppe nur beitreten, um zu einem einzigen Thema ihren Senf dazu zu geben. Das ist auch okay, aber es muss im Rahmen bleiben. Die Leute können und sollen ja politisch diskutieren. Aber leider, wirklich leider, driftet es sehr schnell ab. Manche Themen werden sofort instrumentalisiert. Alle Beiträge werden bei uns überprüft und erst dann freigegeben. Eigentlich bin ich gegen die Zensur-Keule.

Patrick Gormann Es kann bei uns jemand noch so rechtsradikal sein: Wenn er das nicht in seinem unmittelbaren Profilbild zeigt, darf er in unsere Gruppe eintreten. Denn uns interessiert nur eine Sache: Ist er Papa? Sobald er aber politisch wird, bekommt er eine Verwarnung oder wird gelöscht. Bei uns werden sehr selten politische Beiträge freigegeben. Wir haben außerdem einen Bad-Keyword-Filter.

Nici Krüger Wir haben da nicht so große Probleme, allerdings findet immer irgendeiner einen Bezug. Du kannst über eine Hochzeitstorte schreiben und einer findet daran etwas. Diejenigen sperren wir dann. Beiträge, die unseren Regeln nicht entsprechen, werden auch gelöscht. Dazu gehören aber zum Beispiel auch Beiträge, die etwas verkaufen wollen.

Andrea D’Addario Das Traurige ist, dass die Leute oft nicht mehr normal diskutieren, und dann beleidigen und Sachen schreiben, die nichts mehr mit dem Thema zu tun haben.

Welche schönen Geschichten habt ihr in euren schon Gruppen erlebt?

Patrick Gormann Es wird bei uns viel geholfen. Vor zwei Monaten ist beispielsweise ein Gruppen-Moderator unerwartet gestorben, er hat drei Kinder hinterlassen. Wir haben dann eine Spendenaktion gemacht, damit kamen etwa 2800 Euro zusammen.

Nici Krüger Bei uns hat sich eine Aktion herausgebildet. Es ging damit los, dass ein Obdachloser immer am Gladbacher Bahnhof gesessen und ein Buch gelesen hat. Eine Dame aus unserer Gruppe wollte ihm helfen. Eine Idee war, mal für Obdachlose zu kochen. Daraus sind dann die Suppentanten und -onkels, ein jetzt eingetragener Verein, entstanden.

(Titelfoto: Tobias Block)

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