Campfire Campfire 2018 (Samstag)

„Polares Denken ist die Droge unserer Zeit“: Lesung von Hajo Schumacher in Zitaten

2. September 2018

„Polares Denken ist die Droge unserer Zeit“: Lesung von Hajo Schumacher in Zitaten

In seiner journalistischen Arbeit geht es oft um Politik, in seinem neuen Buch um Männer und Frauen. Autor Hajo Schumacher hat es im RP-Zirkuszelt auf dem Campfire-Festival vorgestellt. Es ging um klassische Geschlechterrollen, aber auch um seine eigene Lebensgeschichte. Schumacher schreibt in „Männerspagat“ von Männern, die sich zurückgesetzt fühlen und zum Hass greifen. Er schreibt vom Tod seines Vaters, vor dem keiner der beiden Gefühle zeigen konnte. Er schreibt von einem Handballspiel, seinem ersten journalistischen Einsatz mit 15. Die Lesung in Zitaten.

Über Männer

„Alle sehen Privilegien, bis auf den, der sie hat.“

„Verhöhnte Männer driften nach rechts. Weil sie kein anderes gesellschaftliches Zuhause finden.“

„Stell‘ dich nicht so an, nimmst‘ dir halt das Leben“ (der Umgang mit Gefühlen)

„Nicht alle Männer sind böse. Manche haben einfach schlicht und ergreifend keine Ahnung.“

Über seine journalistische Karriere

„Das war einer der wenigen Wasserschäden über die ich wirklich froh war.“ (das Schicksal seines ersten Artikels)

„Qualität kommt von Qual.“ (der Arbeitsethos in seinen ersten Redaktionen)

„Ein Redakteur fasst keine Tastatur an.“ (Alles wurde der Sekretärin diktiert.)

„Der geht über die Kotzgrenze.“ (männliche Komplimente in der Redaktion)

„Wieso? Sie haben doch eine Frau.“ (zur Antwort des Chefredakteurs des „Spiegel“ Mitte der 90er-Jahre auf seinen Vorschlag, einen Betriebskindergarten einzurichten)

Über seine Eltern

„Protestanten in Niedersachsen. Die haben den Samba nicht erfunden.“

„Der Nachweis erfolgreicher Männlichkeit war damals das Eigenheim. Wer seine Frau arbeiten schickte, der hatte als Mann versagt.“

Zum Geschlechterverhältnis

„Ja was ein Scheiß. Natürlich können sie das, warum auch nicht.“ (über strickende Männern und fußballspielende Frauen)

„Ja aber Schatz, das hat dir doch immer gefallen.“ – „Ja, vor 17 Jahren“ (Gespräche über das Sexleben)

„Die Frontlinie läuft nicht zwischen Männern und Frauen. Sie läuft zwischen den Guten und Bösen. Gute Männer und gute Frauen müssen zusammen halten. Darum geht es in diesem Buch.“

„Ich empfehle jedem Mann, der es geil findet, wenn Frauen hohe Hacken tragen, einfach mal zehn Metern auf diesen Dingern unfallfrei zu laufen.“

„Man muss sich einfach einmal ins Bett legen, die Beine breit machen. Sich vorzustellen, da kommt ein Zwei-Meter-Schrank, du bist 1,60 Meter und der legt sich über dich und die Sonne verdunkelt sich. Das benötigt eine Menge Vertrauen.“

Zum Konfliktzwang

„Jeder in Düsseldorf weiß, dass der Kölner von der Evolution irgendwie übergangen wurde.“

„Dieses polare Denken, das ist die Droge unserer Zeit. Und wir Journalisten spielen das leider viel zu häufig mit.“

Zur gesellschaftlichen Lage

„Bei Facebook hast du 60 Möglichkeiten dein Geschlecht zu definieren. Das finden die Leute aus dem Vatikan schwierig, weil es ihr Machtgefüge in Frage stellt.“

„Diese Welt hier kann nicht mehr so lange warten, bis wir hier alle unsere komischen Stammesfehden ausgetragen haben.“

Zu Chemnitz

„Es ist kein sächsisches Problem, es ist ein globales Problem. Die digitale Revolution lässt die Männer auf der Strecke.“

„Es gibt verdammt viele Sachsen, die sind auch verdammt in Ordnung.“

Foto: Hans-Jürgen Bauer/RP

Hier gibt es die Lesung zum Nachschauen:

#campfire2018

Live aus dem RP-Zelt: Männerspagat – Wie wir mit Offenheit, Respekt und Leidenschaft die alten Rollen überwindenSpeakers: Hajo Schumacher

Posted by Campfire – Festival für Journalismus und digitale Zukunft on Saturday, September 1, 2018