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Eine kleine Bestandsaufnahme der Krise bei Thyssenkrupp

1. September 2018

Eine kleine Bestandsaufnahme der Krise bei Thyssenkrupp

Viel Aufmerksamkeit für ein traditionsreiches Unternehmen beim Campfire-Festival, doch der Anlass könnte schöner sein. Unter der Moderation von RP-Wirtschaftschefin Antje Höning diskutierten Handelsblatt-Journalist Martin Murphy und Unternehmer und Krupp-Nachfahre Friedrich von Bohlen und Halbach.

Was ist das Problem?

Einen Monat ist es her, dass Konzernchef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratsboss Ulrich Lehner bei Thyssenkrupp zurücktraten. Die Suche nach Nachfolgern läuft noch immer, viele Wunschkandidaten haben bereits abgesagt. Glaubt man Friedrich von Bohlen und Halbach, laufen viele Probleme der Vergangenheit bei Berthold Beitz zusammen, dem 2013 verstorbenen Generalbevollmächtigen Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs. „Vieles ist einer egomanen Politik vom Berthold Beitz geschuldet“, sagt der Unternehmer. „Jeder Geschäftsführer in einer normalen Firma wäre bei der Performance herausgeflogen.“ Bis zu seinem Tod mit 99 Jahren fungierte Beitz als Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Seine Auswirkungen sind bis heute spürbar. „Herr Beitz hat die Leute herangezogen, persönlich ausgesucht und nicht immer ein glückliches Händchen gehabt“, sagt auch Martin Murphy vom Handelsblatt.

Was könnte die Lösung sein?

„Es ist eine verkantete Situation“, sagt von Bohlen und Halbach. „Der Fisch fängt immer vom Kopf an zu stinken. Das ist dann nun einmal das Aktionariat. Wenn sich die zwei großen Aktionäre einig wären, dann wär’s das eigentlich.“ Murphy sieht NRW-Ministerpräsident und Aufsichtsrat-Mitglied Armin Laschet in der Pflicht. „Wenn Thyssenkrupp zusammenbricht, sind ein paar Hunderttausend Pensionäre auf die Staatskasse angewiesen. Wenn das passiert, dann ist die CDU bis irgendwann ins nächste Jahrhundert hier nicht mehr wählbar“, sagt er. Auf Dauer, da sind sich von Bohlen und Halbach und Murphy einig, muss sich die Politik aber rausziehen. „Die Politik ist leider sehr verharzt mit der Wirtschaft“, sagt Murphy. Bohlen wirbt für eine neue Struktur. „Maximal sechs Leute in der Stiftung, mindestens drei müssen unternehmerische Ahnung haben“, sagt er. „Aber zunächst würde ich mir wünschen, dass in der Stiftung mal jemand aufsteht und gerne auch in der Öffentlichkeit konfrontativ mit den Finanzinvestoren diskutiert.“