Campfire Campfire 2018 (Sonntag)

Zukunftslabor: Wie wird der Karneval im Jahr 2040?

2. September 2018

Zukunftslabor: Wie wird der Karneval im Jahr 2040?

Besucher diskutierten, überlegten, entwickelten. Das RP-Zirkuszelt wurde am Sonntagmittag zum Ort eines großen Experiments. Johannes Klingebiel aus dem Innovationsteam der „Süddeutschen Zeitung“ forderte zum Thema „Push-Benachrichtigungen vom Karneval 2040“ die Kreativität seiner Teilnehmer heraus. Sie wurden zu Journalisten für „Rheinische Post Cyber“.

Die Idee

„Wir wollen versuchen, dass die Leute auch mal zehn, 15 oder 20 Jahre in die Zukunft blicken“, sagt Klingebiel. Die Idee ist dabei, die Besucher seiner Veranstaltung zu Science-Fiction-Autoren zu machen. „Das Ganze ist ein großes Experiment“, sagt er. „In München haben wir das schon einmal mit dem Oktoberfest durchgespielt. Hier ist der Karneval naheliegender.“

Die Vorbereitung

„Als Münchener habe ich natürlich wenig Ahnung vom Karneval“, gesteht Klingebiel. Das Publikum muss helfen. Die anwesenden Rheinländer erklären ihm, was den Karneval ihrer Meinung nach ausmacht. Klingebiel sammelt die Ergebnisse auf Klebezetteln. Eine Kölnerin meldet sich: „Den richtigen Karneval gibt es ja bei uns, nicht in Düsseldorf.“ Es folgen Unmutsbekundungen ihrer Sitznachbarn. „Die Musik macht es für mich aus, die ist bei uns besser“, rechtfertigt sie sich. Viele unterschiedliche Aspekte werden genannt: Kostüme, Mottowagen, Rollentausch, Tourismus, aber auch Alkohol und Promiskuität. Der letzte Punkt führt zu einer kurzen Islamdebatte. Ganz ohne scheint es in diesen Tagen nicht zu gehen. „Ich weiß nicht ob Karneval 2040 noch so gefeiert werden kann. Alkohol und Promiskuität – ist das dann noch erlaubt“, fragt einer. Eine andere Besucherin widerspricht: „Karneval ist ein verbindendes, kein trennendes Element.“

Die Umsetzung

Das Publikum bildet Zweier- und Dreierteams, Klingebiel verteilt Zettel. Es sind Vorlagen für Push-Mitteilungen der „Rheinische Post Cyber“ im Jahr 2040. Jedes Team darf sich dazu noch zwei Karten aus einem Zukunftskartenspiel aussuchen. Sie alle enthalten bestimmte Szenarien, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Da gibt es dann beispielsweise ein totalitäres Regime, der Klimawandel hat mit voller Kraft zugeschlagen, oder die ganze Gesellschaft besteht nur noch aus Veganern. Auf dieser Grundlage sollen die Gruppen Szenarios entwickeln und diese dann entsprechen dem Thema „Karneval 2040“ anteasern.

Die Ergebnisse

Die Pinnwand ist vorbereitet. Die Besucher stellen ihre Ergebnisse vor und ordnen sie gemäß zweier Grundfragen ein. Ist das Szenario wünschenswert oder nicht – und ist es wahrscheinlich oder nicht? Die anderen Gruppen diskutieren bei der Entscheidung mit. Die Ergebnisse sind vielfältig, aber es gibt eine klare Tendenz zum Negativen, zur Dystopie. Sei es das Ende der Bützchen-Kultur wegen eines Smogalarms, die Rosenmontagszug-Verspätung durch Grenzkontrollen zwischen Düsseldorf und Neuss oder der Mini-Gau durch Plutonium-Kamelle. Die meisten Zukunftsszenarien sind nicht erstrebenswert. Klingebiel ist nicht überrascht. „Man neigt dazu, eher negativ zu denken und somit Dystopien zu entwickeln. So war das bei unseren Versuchen in München auch“, sagt er. Es gibt aber auch durchaus wünschenswerte Ideen für die Zukunft. Das Ende der Mehrwertsteuer auf Süßigkeiten und eine Droge, die die Aggressionen nach übermäßigem Alkoholkonsum ausgleicht, sehen die Besucher eher positiv. Ein Thema entzieht sich jedoch einer finalen Bewertung: die Überflutung Kölns als Folge des Klimawandels. „Ob das positiv ist, können wir für Köln hier nicht diskutieren“, sagt ein Besucher. Offensichtlich ist er ein Düsseldorfer.