Campfire Campfire 2019 Campfire 2019 (Sonntag)

Wie Städte um den Klimaschutz wetteifern

5. September 2019

Wie Städte um den Klimaschutz wetteifern

Wie Städte der Klimakrise begegnen und dabei über die Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten können, darüber sprachen Thomas Geisel, Oberbürgermeister von Düsseldorf, David McDonald, Stadtrat in Glasgow und Michal Olszewski, stellvertretender Bürgermeister von Warschau. Verteidigen mussten sie ihre Strategien gegenüber Gwendolyn Rautenberg und David-Luc Adelmann vom „Fridays for Future“-Ableger in Düsseldorf. Auch wenn es scheint, als seien alle einer Meinung, ist es die Größe der Ideen, die den Unterschied macht.

Straßenlaternen als Ladesäulen

Glasgow habe in den vergangenen Jahren auf sich aufmerksam gemacht als eine Stadt, die besonders viel für das Klima tut. „Wir leben auf einer Insel, da bekommt man die Klimakrise besonders stark zu spüren“, erklärt McDonald. Die Stadt wolle bis 2030 emissionsfrei sein. Städte seien in einer besonderen Position, etwas zu unternehmen. Die Wege seien kürzer, die Mittel und Konsquenzen überschaubarer. Wo Bundesländer und Staaten wie langsame Tanker Jahre brauchten, um ihren Kurs zu ändern, seien Städte viel agiler. Der Kampf gegen die Klimakrise müsse von unten her geführt werden, fordert McDonald.

Klimawandel: internationale Herausforderung lokale Aktion
(r.) David McDonald, Stadtrat in Glasgow, Foto: Christian Albustin

Ein Fahrverbot reiche einfach nicht immer. „Bei uns regnet es viel, da will nicht jeder immer mit dem Fahrrad fahren. Also müssen wir das berücksichtigen. Menschen, die in Hochhäusern wohnen, haben oft gar keine eigenen Parkplätze.“ Neben einem stärkeren ÖPNV könne man also darüber nachdenken, Auto-Parkhäuser in Fahrrad-Parkhäuser umzuwandeln. Applaus bekommt McDonald vor allem für eine Idee: „Wenn das E-Auto eine Alternative sein soll, müssen die Leute es auch benutzen können. Wir rüsten gerade unsere Straßenlaternen auf LED um, dabei bauen wir jede Laterne direkt zur Ladesäule um.“

Die autofreie Innenstadt

- Anzeige -

Um weniger Autos in den Innenstädten zu erreichen, lassen sich die Städte einiges einfallen. Olszewski etwa berichtet, dass es in in der Metropolregion Warschau bislang 650 Kilometer Fahrradwege gebe, man bis 2020 auf 700 Kilometer ausbauen wolle. Vor allem die Vernetzung der Bahnhöfe der 51 Kommunen der Region sei besonders wichtig. Doch auch er muss eingestehen, dass der Autoverkehr in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

Klimawandel: internationale Herausforderung lokale Aktion
(v.l.n.r.) Gwendolyn Rautenberg, Thomas Geisel und David-Luc Adelmann, Foto: Christian Albustin

An eine autofreie Innenstadt möchte Thomas Geisel noch nicht denken: „Diesen Hebel setzt man nicht von heute auf morgen um.“ Aber es sei wichtig, die Stadt nicht mehr aus der Sicht des Autofahrers zu planen. Treffen mit Architekten und Städteplanern hätten gezeigt, dass Klimaverträglichkeit und Städteplanung keine Widersprüche seien. „Städtewachstum muss nicht auf Kosten der Lebensqualität und des Klimas gehen“, hält Geisel fest. So sei der Plan, Parkplätze in der Innenstadt rund um die Uhr kostenpflichtig zu machen, durchaus auch im Sinne des Klima, „wenn Menschen abends zur Kneipe nicht mehr mit dem Auto fahren“.

Keine Konkurrenz, eigentlich

Geisel, McDonald und Olszewski hatten alle zuvor am Internationalen Treffen der Bürgermeister in Düsseldorf teilgenommen. „Das Schöne daran ist, dass man auf kommunaler Ebene weniger ideologiegesteuert agieren kann“, beschreibt Geisel die Gespräche zwischen Bürgermeistern. Abgucken von anderen Städten sei viel einfacher und unkomplizierter. „Wenn Staaten so gut zusammenarbeiten würden wie Städte, hätten wir eine bessere Welt“, bestätigt McDonald. Dementsprechend harmonisch geht es auch auf der Correctiv-Bühne am Sonntag zu. Die ein oder andere Spitze können sich die drei Stadtoberhäupter dann aber doch nicht verkneifen, als David-Luc Adelmann fragt, warum Düsseldorf von den geplanten 1000 Bäumen nur 140 gepflanzt hat. Warschau plane bis 2020 schließlich mit 350.000 zu pflanzenden Bäumen. Die Stadt habe zudem ein Meldeportal, auf dem Einwohner Baumpflanzungen vorschlagen können. „Das soll hier zwar kein Wettbewerb sein“, sagt Glasgows McDonald daraufhin, „aber wir haben schon zwei Millionen Bäume und könnten uns weitere zwei Millionen Bäume durchaus vorstellen.“

(Titelfoto: Hans-Jürgen Bauer)

Das Campfire-Programm der Rheinischen Post wird freundlich unterstützt von: