Campfire Campfire 2018 (Freitag)

Drei Fragen an sipgate zur Arbeit von morgen

31. August 2018

Drei Fragen an sipgate zur Arbeit von morgen

Überall erreichbar sein heißt auch überall arbeiten können. Ob und wann das sinnvoll ist, darüber wurde am Freitag auf der Correctiv-Bühne diskutiert. Sigurd Jaiser erklärte das Arbeitskonzept des IT-Dienstleisters Sipgate. Sipgate wirbt auf seiner Website unter anderem mit null Überstunden, 70 Bartträgern und acht Bürohunden. Und obwohl es zwei offizielle Geschäftsführer gibt, arbeitet sipgate ohne feste Hierarchien.

Arbeiten wir überall, wo wir sind?

Jaiser erteilt der These vom Arbeitsplatz an jedem Ort gleich zu Beginn eine Abfuhr. „Wir arbeiten alle an einem Standort. Wir haben Rituale und brauchen uns den ganzen Tag.“ Obwohl die eigentlich Arbeit bei sipgate am Computer geschieht, sei Home-Office keine Lösung. Jaiser: „Wir sind sehr große Freunde der analogen Visualisierung, stehen gerne vor Boards und schreiben Post-Its“. Alle Mitarbeiter seien in Teams, die Teams arbeiteten autark und organisierten sich selbst. Eine klassische Hierarchie mit Gruppenleitern und Abteilungsleitern gebe es nicht. Stelle ein Team fest, dass es für eine Aufgabe nicht über die benötigten Fähigkeiten verfüge, definiere es eigenständig die Anforderungen für einen zusätzlichen Mitarbeiter. Diese gehe dann an das Personalteam, welches die Ausschreibung starte. Um Einladungen, Bewerbungsgespräche und die Einstellung kümmere sich aber wieder das suchende Team. So stelle jede Gruppe sicher, dass die Leute zu ihr passten. „Das würde alles nicht funktionieren, wären wir nicht zusammen an einem Ort“, fasst Jaiser zusammen.

Werden wir rund um die Uhr arbeiten?

„Wir reglementieren uns mit einer guten alten Stechuhr und einer 40-Stunden-Woche“, sagt Jaiser. „Denn niemand glaubt, dass bei einer 60-Stunden-Woche die zusätzlichen 50 Prozent Arbeitszeit zum gleichen Ergebnis führen.“ Natürlich gebe es den Kundenwunsch, aber dieser müsse sich gegenüber allen anderen Interessen einordnen. Gegebenenfalls müsse der Kunde länger warten, damit das Produkt die bestmögliche Qualität erhalte. Darum stellten die Teams ihre Arbeiten nicht zu einem festen Zeitpunkt fest, auch würden keine Freelancer oder Fremdfirmen angestellt, um ein Datum halten zu können. Am Ende käme nur ein eilig zusammengeschustertes Produkt raus. Jaiser: „Die Teams finden sich selbst, unterschiedliche Geschwindigkeiten sind erlaubt. Wir räumen alle Hindernisse aus dem Weg, um eine gute Arbeit abzuliefern.“

Wird es noch feste Arbeitszeiten geben?

„Jeder kann kommen und gehen wie er will“, antwortet Jaiser. Jedes Team regele das für sich. Manche Teams hätten bestimmt Kernarbeitszeiten, aber auch das bleibe ihnen überlassen. „Wir haben ein Daily Standup“, sagt Jaiser. Dort wird festgelegt, was in den letzten 24 Stunden erreicht wurde und was für die nächsten 24 Stunden geplant ist. „Es gibt Teams, die machen das um 8 Uhr, manche um 9 Uhr und manche um 14.30 Uhr. Wenn alle da sind“, erklärt Jaiser. Die Stechuhr sei nur dazu da, sich selbst zu kontrollieren. „Wenn ich jede Woche Überstunden mache, dann merke ich daran, dass etwas nicht richtig läuft.“ Dies müsse im Team besprochen und gelöst werden. Das Team müsse schauen, was man dagegen tun könne. Jaiser: „Würden wir alleine zu Hause arbeiten, würden wir das nicht hinkriegen.“

Foto: Stokkete/Shutterstock.com

Wir haben mit Sigurd Jaiser auch noch im Interview gesprochen: