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Kölsch auf dem Campfire in Düsseldorf: Wie „Et kütt wie et kütt“ dem Journalismus hilft

1. September 2018

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Kölsch auf dem Campfire in Düsseldorf: Wie „Et kütt wie et kütt“ dem Journalismus hilft

Alles ändert sich im Journalismus, heißt es oft. Nichts ändert sich, heißt es fast noch öfter. Ebenso oft hört man, der Journalismus sei in einer Krise. Gott sei Dank gibt es das „Kölsche Grundgesetz“, das in dieser Debatte den Blick fürs Wesentliche schärft.

Die gebürtige Rheinländerin Gesa Mayr, Chefredakteurin des Newsportals watson.de und Effzeh-Fan, schaute sich die elf Artikel an, von „Et kütt wie et kütt“ bis „Wat wells de maache?“. Und das in Düsseldorf! „Provokation ist ein bewährtes journalistisches Stilmittel“, sagte sie scherzhaft in Richtung des Publikums.

Wie Gesa Mayr die elf Artikel des „Kölschen Grundgesetzes“ mit dem Journalismus in Verbindung bringt

  • Artikel 1: Et es wie et es. („Es ist, wie es ist“: Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern)
    Mayr: „Es ist Aufgabe von Journalisten, die Dinge klar zu benennen“
  • Artikel 2: Et kütt wie et kütt. („Es kommt, wie es kommt“: Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern)
    Mayr: „Journalisten müssen einen ruhigen Kopf bewahren, wenn harte Nachrichten wie Anschläge oder Todesfälle reinkommen. Man muss nicht sofort immer auf alles eine Antwort haben. In solchen Fällen ist zum Beispiel oft das Format Was wir wissen und was wir nicht wissen hilfreich. Wir dürfen außerdem nicht auf eine Berichterstattung aufspringen, die nicht verifiziert ist.“
  • Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange. („Es ist bisher noch immer gut gegangen“:Was gestern gut gegangen ist, wird auch morgen funktionieren)
    Mayr: „Als Journalist muss man auch Vertrauen haben. Etwas kritisch zu begleiten. Heißt nicht, dass alles automatisch immer schlimmer wird. Die Medien haben auch die Verantwortung, nicht direkt den Untergang vorherzusagen, sondern sie müssen verschiedene Szenarien aufzuzeigen.“
  • Artikel 4: Wat fott es, es fott. („Was fort ist, ist fort“: Jammer den Dingen nicht nach und trauere nicht um längst vergessene Dinge)
    Mayr: „Die Frage ist oftmals, wie Print und Online am besten miteinander verbunden werden können. Eine Eins-zu-eins-Verbindung funktioniert jedenfalls nicht. Man muss auch den Mut dazu haben, mit gewissen Ideen, Formaten und Modellen abzuschließen und offen für Neues zu sein.“
  • Artikel 5: Et bliev nix wie et wor. („Es bleibt nichts wie es war“: Sei offen für Neuerungen)
    Mayr: „Was gleich bleibt, ist, dass Menschen immer noch morgens auf dem Weg zur Arbeit News lesen. Aber eben am Smartphone. Wir haben deshalb die Aufgabe, neue Erzählformate zu finden.“
Gesa Mayr brachte das Kölsche am Samstag nach Düsseldorf.
  • Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. („Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit“: Sei kritisch, wenn Neuerungen überhandnehmen)
    Mayr: „Was wir nicht machen sollten als Medien, ist, jedem Trend hinterherzulaufen. Ein paar Grundprinzipien dürfen nicht verloren gehen, nämlich Unabhängigkeit, das Zwei-Quellen-Prinzip und kritisch zu bleiben. Das wichtigste Gut eines Journalisten ist die journalistische Urteilsfähigkeit, vor allem bei Fake News, Lügen oder Gerüchten, die nicht nur, aber oft in den sozialen Medien verbreitet werden.“
  • Artikel 7: Wat wells de maache? („Was willst du machen?“: Füge dich deinem Schicksal)
    Mayr: „Journalisten sind sicherlich nicht unfehlbar. Es gehen immer mal Dinge schief, Fehler passieren. Wichtig ist aber eine gute Fehlerkultur, die transparent und nicht vernichtend ist und uns nicht den Spaß am Ausprobieren nimmt.“
  • Artikel 8: Maach et joot, ävver nit zo off. („Mach es gut, aber nicht zu oft“: Qualität über Quantität)
    Mayr: „Wer eine gute Idee immer wiederholt, wird reproduzierbar. Dadurch gleichen wir uns an. Um nicht satt zu werden, müssen Journalisten flexibel und immer wachsam bleiben und dürfen nicht langweilig sein. Was dafür nötig ist, ist aber der Raum für Kreativität.
  • Artikel 9: Wat soll dä Kwatsch? („Was soll das sinnlose Gerede?“: Stelle immer die Universalfrage)
    Mayr: „Journalisten dürfen niemals aufhören, kritisch nachzufragen. Wir sollten nicht den Fehler machen, einfach die Sprache von Politikern, Promis oder Behördensprechern zu übernehmen. Manchmal reicht es sogar schon, eine richtige Frage zu stellen, um eine Diskussion anzustoßen. Was er sagt, was er meint ist zum Beispiel ein schönes Format, das wir bei Watson gerne mal benutzen.“
  • Artikel 10: Drinks de ejne met? („Trinkst du einen mit?“: Komm dem Gebot der Gastfreundschaft nach)
    Mayr: Ich bin der Meinung, dass Erfolge von Journalisten auch mal gefeiert werden müssen. Als wichtig erachte ich zudem den ständigen Austausch unter Kollegen und innerhalb der Redaktion. Eines darf man zudem auch nicht vergessen: Man ist nicht 24 Stunden am Tag Journalist. Wir sollten deshalb schon zusehen, dass wir auch auf die Work-Life-Balance achten.“
  • Artikel 11: Do laachs de disch kapott. („Da lachst du dich kaputt“: Bewahre dir eine gesunde Einstellung zum Humor)
    Mayr: „Man muss nicht nur mit Kollegen, sondern auch mal über sich selbst lachen können. Spaß bei der Arbeit ist wichtig. Bei uns in der Redaktion wird Unterhaltung jedenfalls groß geschrieben.“