Campfire Campfire 2018 (Freitag)

Die Meinungsfreiheit siegt beim Reporter-Slam

31. August 2018

Die Meinungsfreiheit siegt beim Reporter-Slam

Ernsthafte Recherchen unterhaltsam präsentieren, am besten noch mit einer guten Portion Humor. Das war der Reporter-Slam. Vier Journalisten traten am Freitagabend im großen RP-Zirkuszelt an, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Siegerin wurde per Klatschen ermittelt, den lautesten Applaus erhielt die freie Journalistin Nora Hespers für ihre emotionale und ernsthafte Geschichte über ihren Großvater, der im Nationalsozialismus für die Meinungsfreiheit kämpfte.

Nora Hespers beim Reporter Slam im RP-Zirkuszelt.

„Scheiße, das hast du die ganze Zeit nicht gesehen!“ Ihr Großvater veröffentlichte während des zweiten Weltkriegs journalistische Texte, die bei Widerstandsgruppen wie den Edelweißpiraten gelesen wurden. Klar sei das Nora Hespers aber erst mitten in der Aufzeichnung beim Deutschlandfunk geworden. Ein Kollege hatte sie zu dem Gespräch eingeladen, er hatte über ihren Großvater promoviert. Hespers: „Da sitzen wir drei Jahre Rücken an Rücken und dann kommt er damit raus.“ Ihr ganzen Leben habe sie die Geschichten über ihren Großvater, der 1942 von den Nazis hingerichtet wurde, nur für die Geschichten alter Männer gehalten. „Damit kommt die Real-Satire ganz nah an die Realität“, kommentiert Hespers ihre eigene Erkenntnis. Denn ihr Großvater sei für genau das Recht gestorben, auf das sich Rechtspopulisten jetzt berufen, wenn sie in Talkshows sitzen: das Recht auf eine freie Meinung. Mit diesem Twist am Ende holte sie sich die Gunst des Publikums.

Der Reporter Slam war sehr gut besucht.

Hespers Sieg war allerdings knapp, alle vier Slammer sprengten laut Moderator Jochen Markett die 100-Dezibel-Marke beim Applaus. Correctiv-Wirtschaftsredakteur Frederik Richter machte seinem Beruf alle Ehre. Stocksteif verkündete er: „Meine Frau hat gesagt: ,Mach es nicht. Du liest den ganzen Tag und die ganze Nacht Akten. Du bist zu langweilig‘“. E-Mail, SMS und Brief-Stalking eines verärgerten Bergmannssohns, der ihm über Monate hinweg die Pest an den Hals wünschte, waren aber alles andere als langweilig, eher tragisch als komisch. WDR-Redakteurin Susanna Zdrzalek berichtete von ihren Versuchen, eine Crowdfunding-Aktion auf die Beine zu stellen. Sie versucht seit Jahren, der Porno-Sucht auf die Schliche zu kommen.

RP-Redakteurin Susanne Hamann berichtete von ihrer Reportage aus dem Puppen-Puff.

Ebenfalls um ein einseitiges Liebesspiel ging es bei RP-Reporterin Susanne Hamann, sie besuchte ein Puppen-Puff. Ihre mit reichlich Bild- und Videomaterial präsentierten Recherchen sorgten für Kopf-Kino, verwunderte Blicke und viele Lacher. Ihr Fazit: „Als Reporter kommst du an Orte, die du sonst nie sehen würdest. Bei manchen will man das auch gar nicht.“

Fotos: Andreas Krebs/RP

Hier gibt es den Slam zum Nachschauen:

https://www.facebook.com/campfirefestival.org/videos/473593536458428/