Menschen auf der rpTEN. Foto: re:publica/Gregor Fischer CC BY 2.0
Menschen auf der rpTEN. Foto: re:publica/Gregor Fischer CC BY 2.0

Wie glaubwürdig sind die Stars auf Instagram, Youtube & Co.?

Ob Beauty-Queen, Gamer oder Vlogger – viele Youtuber, Instagramer und Snapper sind längst Kultfiguren für ihre Zielgruppe geworden. Aber wie viel Wahrheit steckt in ihren Geschichten? Und ist Authentizität überhaupt ein Erfolgsrezept – oder ist am Ende doch alles inszeniert? Sieben Erkenntnisse dreier Internet-Stars.

Von Susanne Hamann

Dass sogenannte „Reality-Shows“ im TV nicht wirklich etwas mit der Realität zu tun haben, das wissen die meisten Zuschauer längst. „Scripted reality“ nennen sich TV-Schauspiele wie „Frauentausch“ und „Achtung Kontrolle“, bei denen die Darsteller zwar so tun als wären alle Reaktionen spontan, tatsächlich jedoch sind sie mit Sorgfalt inszeniert.

Um zu hören, wie viel Echtheit von den Machern auf Youtube, Snapchat und Instagram zu erwarten ist, strömten zahlreiche Besucher in die Session von Youtuber Christoph Krachten. Bekannt geworden ist der Video-Macher durch seine Online-Sendung „Clixoom“, in der er zum Beispiel Stars viele persönliche Fragen stellt. Ein ähnliches Format hatte er auch für die re:publica mitgebracht, allerdings nicht für Musik- oder Hollywood-Celebrities, sondern für drei Netzgrößen. Die sieben wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Auf Youtube zählt die Verweildauer, nicht die Abonnenten: „Die wirklich wichtige Währung auf Youtube sind die Klicks und die Verweildauer auf den Videos, nicht die Zahl der Abonnenten“, sagt Mirko Drotschmann alias „MrWissen2Go“ auf Youtube. Grund dafür ist, dass längst nicht nur aktuelle Videos Klicks holen. Auch seine fünf Jahre alten Videos werden dank Google und der internen Youtube-Suche immer noch gefunden und machen 49 Prozent seiner Klicks aus. „Diese Videos sind total schlecht gemacht und viel zu lang, aber weil es um Geschichtsthemen geht, werden sie heute noch gefunden.“ Gefalle den Leuten der Inhalt, sehen sie sich auch andere Videos auf dem Kanal an und abonnieren ihn am Ende auch.
  2. Flunkern kratzt nicht an der Authentizität: Aber wie viel Wahrheit steckt in den Videos und Bildern, die ins Netz gestellt werden? „Ich könnte ein Foto erst drei Monate später posten. Wenn es mit einem Ort versehen ist, würden es die Nutzer ohnehin nicht merken“, sagt Manniac, der mit 270.000 Abonnenten einer der erfolgreichsten Youtuber und Instagramer Deutschlands ist. Was er damit meint: Auch Social-Media-Macher sind Geschichtenerzähler. Wichtig ist laut Manniac, dass die Botschaft stimmt. Dafür müssen aber Bild oder Video nicht immer ganz genau der Wahrheit entsprechen.
  3. Man darf den Zuschauer nicht überbewerten: „Mir ist scheiß egal, was andere über meine Snaps denken“, sagt Duygu Gezen, Snapperin und erste Social Media-Volontärin der ARD, auf die Frage, ob es schlimm für sie sei, wenn ihre Snaps nicht gut beim Publikum ankämen. „Ich weiß, viele sagen, ‚ich mache das nur für mich’, aber ich mache es wirklich nur für mich.“ Es folgt heftige Zustimmung von Drotschmann und Manniac. Alle sind sich einig: Kritik der Zuschauer darf man nicht zu ernst nehmen. Man muss Themen setzen, die einem wichtig sind, die einem liegen. Nur dann macht man sie gut – und ist authentisch.
  4. Die Nachfrage bestimmt das Angebot: Aber auch, wenn es wichtig ist, seiner Linie treu zu bleiben, wer erfolgreich Online-Videos und ähnliches macht, hat unter Umständen eine Fan-Gemeinde. Und wenn die Fragen hat, ist es wichtig zu antworten. „Als das große Drama um Böhmermann aufkam, fragten mich viele nach einem Erklär-Video“, sagt Drotschmann. „Ich habe mich dann mit Sonnenbrand im Urlaub hingesetzt und das gemacht.“ Dem üblichen Standard von „MrWissen2Go“ hat das Video nicht entsprochen. Trotzdem hat es innerhalb von zwei Wochen über 300.000 Klicks geholt.
  5. Emotionen und Empathie gewinnen immer: Dass auch Videos funktionieren, die nicht absolut brillant sind kann daran liegen, dass der Macher schon bekannt ist. Es kann aber auch daran liegen, dass die Geschichte gut ist. Oder noch besser: Dass der Mensch hinter der Geschichte funktioniert. „Auf Social Media und Youtube reizen mich echte Geschichten“, sagt Snapperin Gezen und drückt damit aus, warum Millionen junger Menschen auf Youtube und Instagram wissen wollen, wie jemand mit Liebesproblemen fertig wird, wie man abnimmt oder auch wie man aktuelles Weltgeschehen vielleicht einordnen kann.
  6. Echter Journalismus und Youtube schließen sich aus: Kein anderer Deutscher ist mit Youtube-Nachrichten so erfolgreich wie LeFloid. Sogar die Kanzlerin Angela Merkel durfte er schon interviewen. Laut Drotschmann aber alles letztlich nicht ernst zu nehmen: „Echten unabhängigen Journalismus wird es auf Youtube niemals geben“, sagt er. Der Grund: Wer mit der Plattform Geld verdienen will, der muss seine Videos verschlagworten. Viele, viele, viele Schlagworte sind jedoch so programmiert, dass sie die Ausspielung von Werbung vor dem Video verhindern. Wenn ein Video mit „Islam“ verschlagwortet ist, wird keine Werbung angezeigt, selbst, wenn es ein Erklär-Video über Weltreligionen ist. Und: Keine Werbung, kein Geld.
  7. Youtube und Social Media sollte man aus Spaß machen: Von den vier Online-Machern auf der Bühne der re:publica verdienen nur zwei Geld mit dem, was sie tun. Gezen und Drotschmann haben auch noch andere Jobs. Eine Situation, die sie für das wichtigste Rezept für Authentizität halten. „Es hilft extrem, wenn man nicht darauf angewiesen ist, mit Youtube Geld zu verdienen“, sagt Drotschmann und Gezen stimmt zu. Nur, wer zu Feierabend, aus reinem Spaß und weil er Lust auf bestimmte Themen hat, snappt, Online-Videos produziert oder seinen Instagram-Account pflegt, hat auch die Freiheit, dabei wirklich bei sich selbst zu bleiben.

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