Was tun gegen Hass im Netz?

Wer Leserkommentare auf deutschen Nachrichten-Websites oder bei Facebook liest, kann ziemlich schnell schlechte Laune bekommen. Bei manchen Themen sammelt sich dort der geballte Hass. Muss das so sein? Kann man etwas dagegen tun? Und was macht der all der Hass mit den Menschen, die aus beruflichen Gründen den ganzen Tag damit konfrontiert werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Journalisten verschiedener Medien aus NRW bei einem Seminar der Initiative Neue Deutsche Medienmacher in den Räumen der Rheinischen Post.

Die Berliner Initiative Neue Deutsche Medienmacher ist ein Zusammenschluss von Journalistinnen und Journalisten mit und ohne Migrationshintergrund, die sich für mehr Vielfalt in der deutschen Medienlandschaft einsetzt. Ein Projekt des Vereins ist das „No Hate Speech Movement“ – eine Kampagne gegen Hass im Netz. Was mit Hate Speech gemeint ist, das hat die Initiative für sich so definiert: Die „Herabsetzung und Bedrohung von Menschen aufgrund ihrer (wahrgenommenen) Zugehörigkeit zu einer Minderheit“. Schon bei der Definition wird klar: Es ist kompliziert. Auch Frauen sind beispielsweise eine Gruppe, die verstärkt zum Ziel von Hass im Netz wird – eine Minderheit sind sie bekanntlich aber eher nicht.

Viele Fälle sind eindeutig, viele aber auch nicht. Was ist Hass, was ist eine zulässige Meinungsäußerung? Wer sich mit Leserkommentaren beschäftigt, braucht auch ein juristisches Grundwissen. Die „New York Times“ hat ihre Leser im vergangenen Herbst an den schwierigen Entscheidungen teilhaben lassen, die die Redaktion täglich treffen muss: Welchen Kommentar hätten Sie stehen gelassen, welchen hätten Sie gelöscht?

Ende April brachte die Initiative Neue Deutsche Medienmacher bei einem Seminar im Konferenzzentrum der Rheinischen Post Menschen miteinander ins Gespräch, die jeden Tag mit Hasskommentaren zu tun haben – und zwar beruflich. 16 Journalistinnen und Journalisten aus den Social-Media-Redaktionen von TV-Sendern, Nachrichtenwebsites und Tageszeitungen nahmen an der Veranstaltung teil.

Schnell wurde klar: Die Redaktionen beschäftigen sich mit denselben Fragen. Etwa: Bringt es etwas, auf Hasskommentare zu antworten? Kann man Nutzer, die etwa Flüchtlingen den Tod im Mittelmeer wünschen, mit Argumenten erreichen? Und wenn nein, ist es vielleicht dennoch sinnvoll, der schweigenden Mehrheit auf diese Weise zu versichern, dass die Redaktion menschenverachtende Kommentare nicht akzeptabel findet? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es natürlich nicht.

Und: Es sind in allen Redaktionen dieselben Themen, die Hasskommentare anziehen – Berichte über Flüchtlinge und Straftaten etwa, aber auch politisch unverfängliche Themen wie Fußball. Eine offene Frage ist für viele Redaktionen auch noch, wie sich die Flut an Facebook-Kommentaren am besten bewältigen lässt. Inzwischen gibt es Tools, die dabei helfen können, eindeutig löschenswerte Kommentare vorab herauszufiltern.

Mehr zu dieser Kampagne gibt es nicht nur auf der Homepage der Neuen Deutschen Medienmachern. Das „No Hate Speech Movement“ hat auch eine eigene Homepage auf der auch Konter-Möglichkeiten vorgestellt werden.

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