Amerikas größter Staatsmann: Abraham Lincoln, der die Sklaverei überwand und den Zusammenbruch der Union verhinderte, Sitzbild im Washingtoner Lincoln-Memorial.

Internet und Politik

Kaum zu glauben: Die Amerikaner interessieren sich doch für Politik – millionenfach sogar. 20 Millionen Nutzer schauen regelmäßig bei Daily Beast herein, einem Online-Portal, das sich auf Sicherheitspolitik, Geheimdienste, aber auch Gesundheitsreform und Finanzpolitik spezialisiert hat. Militär-Korrespondent Shane Harris erklärt das wachsende Interesse an der Website so: „Die Mischung aus weichen und harten Themen macht den Unterschied. Wir bringen die neue Sicherheitsdoktrin genauso wie den Trash von Kim Kardashian.“ Etwas umstritten ist die Finanzierung der Website, die immerhin 60 Redakteure umfasst und der amerikanischen Journalistenlegende Barry Diller gehört. Harris nennt es „Native Advertising“. Anzeigenkunden schalten Beiträge, die fast wie normale Artikel aussehen. Ganz oben rechts im Eck steht dann Anzeige. Bis in die schwarzen Zahlen hat es Daily Beast allerdings auch damit nicht geschafft. „Wir hoffen, dass es 2016 passiert“, meint Harris.

Interessant ist, dass es in Amerika auch außerhalb Washingtons ein Publikum gibt, dass sich für die Feinheiten der Politik interessiert. Davon profitiert auch der Politik-Blog Talking Points Memo (TPM). Er entstand während der Präsidentschaftskampagne von 2000 und deckt ebenfalls Einzelgebiete der Politik ab. Es reicht immerhin für 3,5 Millionen regelmäßige Besucher der Website. Das Team von TPM ist kleiner als Daily Beast und erst recht als die Mutter aller Polit-Blogs, Politico. „Wir sammeln aber nicht nur Daten und Berichte aus Washington, sondern machen viele eigene Beiträge“, meint David Kurtz, der Chefredakteur der Website. Der Blog kann regelmäßig mit Scoops und sogar investigativem Journalismus aufwarten. Allerdings wurde der Journalist, der Unregelmäßigkeiten bei einem Rüstungsgeschäft aufdeckte, von der New York Times abgeworben. Die Finanzierung von TPM ist einfach: über digitale Anzeigen. Doch wer ein Abo erwirbt, bekommt weniger Werbung und exklusiven Zugang zu den Reportern. Immerhin kommen 10 bis 15 Prozent der Einnahmen über diese Schiene.

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