Snapchat. Foto: re:publica/Gregor Fischer
Snapchat ist eines der großen Themen auf der rpTEN. Foto: re:publica/Gregor Fischer

Die Kids wollen uns nicht auf Snapchat – und das ist voll okay!

Bitte benutzt Snapchat nicht! Diese Botschaft ruft auf der Digitalkonferenz re:publica ein Jugendlicher der versammelten Medienbranche entgegen, denn der Hype um das soziale Netzwerk ist groß. Warum wir trotzdem ganz entspannt weiter snappen sollten.

Das soziale Messenger-Netzwerk Snapchat ist auf der zehnten re:publica in Berlin in aller Munde. Jede Veranstaltung, die Snapchat auch nur im Namen trägt, ist bis auf den letzten Platz besetzt. So auch „Snapchat für Erwachsene“. Der 14-jährige Joshua Arntzen wird per Video zugeschaltet – und erklärt einem völlig überlaufenen Saal das, was alle nicht hören wollen: Bitte benutzt Snapchat nicht!

Eine Kurzzusammenfassung des Talks gibt es beim Kollegen Dennis Horn auf Facebook.

Es hat gute Gründe, dass Joshua so deutlich wird. Die Erwachsenen (also alle über 18) fluten gerade Snapchat – das Netzwerk, über das Bilder und Videos geteilt werden, die sich nach kurzer Zeit selbst löschen, und das bis vor kurzem vor allem sehr junge Menschen für sich entdeckt hatten. Wie Snapchat funktioniert, hat Vassili Golod hier für RP ONLINE aufgeschrieben. Dass die Jugendlichen in dem Netzwerk aber nicht mehr allein sind, nervt diese gewaltig. Logisch: Erwachsene im Jugendclub waren noch nie eine gute Idee.

Doch die Hintergründe der vielen Erwachsenen auf Snapchat sind ernst: Wenn man Jugendliche fragt, welche sozialen Netzwerke sie nutzen, stehen Youtube, Instagram und eben Snapchat häufig ganz oben, letzteres mit wachsender Bedeutung. Von Facebook ist dagegen weniger die Rede. Ein Problem für Medienschaffende aber auch für Werbetreibende. Die fragen sich immer häufiger: Wie erreiche ich diese junge Zielgruppe überhaupt noch? Es ist also nicht nur die persönliche Neugier sondern es sind auch Existenzfragen, die viele im Publikum in die Session „Snapchat für Erwachsene“ treiben. Das berichtet auch Katrin Krause von YOU FM bei Antenne Düsseldorf:

Von dem frommen Wunsch, die Erwachsenen mögen es doch mit Snapchat bitte sein lassen, sollten wir uns aber nicht ins Bockshorn jagen lassen. Klar jammern die Jugendlichen und natürlich sind die ersten Gehversuche der meisten erwachsenen Snapchatter alles andere als elegant. Doch das Prinzip der Filter-Blase wird weiter funktionieren, sprich: Jugendliche werden auch weiterhin in ihrem Freundeskreis snappen können, ohne irgendetwas von den Snaps der Erwachsenen mitzubekommen. Eine Plattform wie Snapchat ist groß genug für alle.

Spannend ist allerdings die Frage, wie diese Barriere durchbrochen werden kann. Also: Wie erreichen Medienschaffende und Werbetreibende auch die ganz jungen Menschen, ohne sich anzubiedern? Wichtigste Kriterien für Joshua: Authentisch sein und nichts verkaufen wollen. Wie das geht, bleibt noch offen. Katrin Krause von YOU FM sagt deshalb: Zunächst einmal müssen Medien überhaupt herausfinden, warum Jugendliche Snapchat nutzen – und dann erst kann es um konkrete Konzepte gehen.

Der vielleicht etwas banale Ratschlag deshalb: Einfach mal ausprobieren, die Plattform verstehen – und vor allem Spaß haben. Die Ideen, auf Snapchat (auch junge) Leute zu erreichen, ohne sich anzubiedern, kommen dann mit der Zeit von ganz alleine.

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