Impulsvortrag bei "Besser Online". Foto: Eric Lahmann
Foto: Eric Lahmann

Besser, schöner, mehr online

Jeden Herbst lädt die Journalistengewerkschaft DJV zu einer kleinen Onlinejournalismus-Tagung. Kürzlich war es mal wieder Zeit. Dem Programm, den Beiträgen, den Fragen der Zuschauer merkte man an: Ist noch lange nicht ausentwickelt, dieses Internet.

Während Holzmedien und Rundfunk sich oft über „Innovationen“ und „Kreativstrategien“ unterhalten, ringen Online-Journalisten noch um Tools, Strategien und eine gemeinsame Informationsbasis. Diesen Eindruck kann man jedenfalls bei Besser Online haben.

Los ging’s am Samstag (24.09.2016) in der Kalkscheune in Berlin mit einem Impuls. Thema: Die Vermessung des Journalismus. So weit, so unkonkret. Sprecherin war Juliane Leopold, deren Berufsbezeichnung immer noch „ExBuzzfeed“ lautet. Die ehemalige Chefredakteurin der Clickbait-Journalismus-Seite arbeitet heute als Beraterin, unter anderem für tagesschau.de, dem Vernehmen nach an einer intensiveren Youtube-Präsenz des Nachrichtenportals.

Juliane Leopold fehlt derzeit auf keinem Podium, weil sie eine der wenigen Frauen ist, die durch pointierte und unerschrockene Beiträge die üblichen Frackträger, die sich dort normalerweise tummeln, etwas aufrüttelt. Sie ist aber – das zeigte ihr Impulsreferat – etwas interessanter, wenn sie widerspricht, als wenn sie einfach nur spricht. Ihre Botschaft am Samstagmorgen: Nicht das Internet zerstört den Journalismus – Journalisten tun es. Indem sie ihre Medien kaputtsparen (lassen) und Werbung mit redaktionellen Inhalten vermischen.

Ja, das hat es schon immer gegeben. Nein, das hat nicht die Medienkrise ausgelöst. Sondern, dass es bis heute keine tragfähigen Erlösmodelle für Online-Journalismus gibt, bei der nicht Massentauglichkeit, sondern Qualität und Nachhaltigkeit der Berichterstattung von der Werbeindustrie belohnt werden. Spoiler: Ein solches Erlösmodell wurde auch bei „Besser Online 2016“ nicht gefunden. Es gab aber spannende Diskussionen und das ein oder andere schicke Tool zu bestaunen.

So zum Beispiel Storytile, ein Live-Blogging-Tool, das aus hässlichen Live-Ticker-Entlein wie diesem von Spiegel Online zum ESC wunderschöne Ticker-Schwäne machen soll. Dabei werden Fotos, Links, Texte und Videos von den Fotografen und Reportern da draußen von einem Redakteur hier drinnen in einer browserbasierten Anwendung gesammelt. Ein Kachelsystem (hence the name StoryTILE) sorgt für ein schickes Layout, ganz ohne Sinn für selbiges. Das kann dann so aussehen wie hier in diesem Blog vom Life Ball in Wien, den GMX gefeatured hat – oder wie hier im Fotoblog vom 1. Mai in Berlin.

Ihre Bilder können Fotografen übrigens unterwegs von der Spiegelreflexkamera ins Storytile-System schicken, wenn sie ihr Handy per Kabel mit der Kamera verbinden. Man merkt: Storytile wurde von Fotografen entwickelt.

Intensiv vertreten mit drei Workshops und in zwei von 16 Panels war der Kooperationspartner Google News Lab. Erkenntnis des Tages: Auch mit stinknormalen Google-Tools kann man flashy Online-Journalismus machen. So wie es hier der Müncher Merkur mit Google Earth gemacht hat:

Und sonst? Keine Online-Konferenz ohne Richard Gutjahr, der seine Bloggerhandtasche auspackt (interessantestes Gadget: ein Bluetooth-Mikro fürs Revers, das für Handyvideos genutzt werden kann – leider derzeit selbst online vergriffen).

Keine Online-Konferenz ohne eine Diskussion über die journalistische Sinnhaftigkeit von Snapchat.

Und keine Online-Konferenz ohne Tweets über die Qualität der Verpflegung.

Einige Teile der Konferenz kann man sich auf der Facebook-Seite des Deutschen Journalisten-Verbands noch mal anschauen, denn sie wurden live gestreamt. Und eine Twitter-Presseschau gibt es in diesem Blog.

Hier geht es zum Twitter-Account von unserer Crossmedia-Autorin Helene Pawlitzki.

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