Die Schlacht ums Wohnzimmer

Apple hat verkündet, das Fernsehen revolutionieren zu wollen. Auch Amazon und Google haben dies als Ziel. Denn kein Medium bewegt mehr Werbemilliarden als die TV-Industrie.

Der Deutschen Lieblingsbeschäftigung? Richtig: Glotzen. 97 von 100 Deutschen nennen Fernsehen an erster Stelle, trotz Internet und Smartphone. Im Schnitt verbringen wir täglich rund vier Stunden vor dem TV-Gerät. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Im Gegenteil, die Nutzungsdauer wird vermutlich sogar noch zulegen. Was sich ändern wird, ist die Art, wie wir fernsehen.

Denken wir daran, wie wir heute Fotos machen, wie wir Musik hören oder telefonieren. Digitalkameras, MP3-Player und smarte Telefone haben unseren Alltag verändert. Einstige Champions wie Kodak, Sony oder Nokia haben den Wandel auf die harte Tour gelernt. Das war ein Prozess, den das Fernsehen noch vor sich hat.

Noch immer lassen sich die meisten Fernsehzuschauer vorschreiben, was sie abends sehen. 80 Prozent der Deutschen schauen ganz klassisch linear, was halt gerade so läuft. Doch wer schon mal in Berührung mit Netflix, AppleTV oder Amazons FireTV gekommen ist, will nicht mehr zurück zur nervtötenden Zapperei von einst. Serien werden am Stück geschaut, der Fernseher merkt sich, was wir mögen, und schlägt uns Filme vor, die uns gefallen könnten.

Das Silicon Valley bläst zum Angriff auf unser Wohnzimmer. Dabei beschränken sich Google & Co schon lange nicht nur auf die Soft- oder Hardware: Erst vergangene Woche hat Apple eine neue sprachgesteuerte TV-Box vorgestellt. Neu ist, dass die Tech-Titanen jetzt auch selbst TV-Shows produzieren und somit eine ernsthafte Konkurrenz werden für klassische Fernsehsender. Hollywood-Stars und -Regisseure reißen sich um lukrative TV-Projekte. Sogar Woody Allen kehrt der großen Leinwand den Rücken und dreht aktuell eine TV-Serie für Amazon. Wir leben wahrhaftig im goldenen Zeitalter des Fernsehens!

400 Milliarden US-Dollar – so groß ist der weltweite TV-Werbemarkt, um den es geht. Die Schlacht um das Fernsehen der Zukunft hat gerade erst begonnen. Und egal, welcher Global Player sich am Ende durchsetzen wird, eines werden wir in Zukunft mit Sicherheit nicht mehr sagen können: „Gab wieder nichts in der Kiste gestern!“

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