Das Netflix-Prinzip

Vor einiger Zeit habe ich in dieser Kolumne darüber berichtet, welch kümmerliches Dasein meine Musik-CDs fristen, seit ich ein Premium-Abo für Spotify habe. Kürzlich haben wir auf einer langen Autorundreise von Seattle bis nach Los Angeles den Musik-Streaming-Dienst über unsere Smartphones im Dauerbetrieb laufenlassen und dabei immer neue von anderen Nutzern zusammengestellte Playlists für Roadtrips entdeckt.

Seitdem geht mir nicht mehr aus dem Kopf, wie sehr das Prinzip Nutzen statt Besitzen unsere materiellen Güter, aber auch Dienstleistungen verändern wird. Musik, Filme, Bücher, Zeitschriften, Zeitungen lösen sich immer mehr von ihren ursprünglichen Datenträgern und werden zu Musik- und Filmdateien, E-Books und E-Paper-Ausgaben. Doch auch das ist nur ein Zwischenschritt. In der nächsten Stufe der Digitalisierung werden wir auch keine Dateien mehr besitzen, sondern nur noch den jederzeitigen Zugang zu ihnen per Flatrate kaufen.

In den USA ist das keine Utopie mehr, sondern Alltag. Seit ich Netflix habe, kaufe ich keine Filme mehr bei iTunes. Und Angebote wie Oyster, Scribd oder Kindle Unlimited eröffnen mir den Zugang zu Tausenden von E-Books für einen Monatsbetrag, der nicht höher ist als der Preis eines einzigen E-Books zum Kauf. NextIssue ist eine App, mit der ich mehr als 150 Zeitschriften für 15 Dollar im Monat auf meinem iPad lesen kann. Playstation Now streamt Videospiele, Epic ist die Flatrate für Kinderbücher.

Doch das Netflix-Prinzip beschränkt sich nicht nur auf digitale Güter. CarSharing-Dienste wie Car2Go oder DriveNow erfüllen ebenfalls das Versprechen, dass es sehr praktisch ist, etwas genau dann nutzen zu können, wenn man es braucht, und sich nicht darum kümmern zu müssen, wenn es kaputt ist oder Parkgebühren verursacht. Meine Kinder wissen, dass ich ihnen nicht ihr erstes Auto finanzieren werde, sondern eine Autonutzungs-Flatrate.

Wenn ich wollte, könnte ich auch meine Kleidung per „Rent a Runway“ mieten, und meine Mode käme nie aus der Mode. Allerdings hänge ich zu sehr an meinen Lieblingsklamotten. Auch meine Wandbilder möchte ich nicht reihum an anderen Wänden wissen. Das ist mir beides zu persönlich.

Genial finde ich wiederum den Lego-Leihdienst Pley. Für 15 bis 40 Dollar im Monat kommen regelmäßig neue Sets mit Bausteinen ins Haus. Eine Versicherung ist inbegriffen, falls mal Steinchen in den Staubsauger geraten. Es gibt sogar schon eine Airline-Flatrate. SurfAir fliegt ein Dutzend kalifornische Städte plus Las Vegas an. Für schlappe 1750 Dollar im Monat können Vielflieger beliebig oft einsteigen.

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