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Warum sich WhatsApp in den nächsten 12 Monaten stark verändern wird

In dieser Woche hat WhatsApp-Gründer Jan Koum auf der DLD Konferenz in München einen bemerkenswerten Einblick in die Entwicklung des Messengers gegeben. In einem Jahr wird sich die App grundlegend verändern. Für Medienhäuser wird 2016 das Jahr der Instant Messenger.

WhatsApp spielt für Nachrichtenwebseiten und Radiosender seit zwei Jahren eine Rolle. Erst staunten alle über die ersten Tests der BBC und im deutschsprachigen Bereich von den Schweizer-Kollegen des öffentlich-rechtlichen SRF.  Im letzten Jahr schwenkten viele auf Drittanbieter um, welche die Administration des WhatsApp-Versands übernahmen. Die Anbieter konnten schnell gutes Geld verdienen, auch wenn das Geschäft hart ist: Keine offizielle API von WhatsApp, die ständige Befürchtung, dass es schon morgen vorbei sein kann. Aber die Medienanbieter machen trotzdem mit: Obwohl es offiziell von WhatsApp keine Unterstützung für Medienanbieter gibt, werden die eigenen Kanäle mit Eifer betrieben. Die Nutzungszahlen und die Qualität des Feedbacks der Nutzer sind einfach zu gut, als dass Medienhäuser darauf verzichten möchte. Die gute Nachricht: Ich gehe davon aus, dass sich die Nachteile in Luft auflösen werden. Einige wichtige Änderungen stehen an.

Warum ist 2016 das Jahr der Messenger? Nicht nur WhatsApp arbeitet an der Kommunikation zwischen kommerziellen Anbietern und Kunden. Schon länger gibt es Berichte über „M“, dem persönlichen Assistenten des Facebook Messengers, an dem der „Gefällt mir“-Konzern entwickelt.  Am 5. Januar berichtete TechCrunch von einer noch nicht öffentlichen API für den Facebook Messenger. Über diese Schnittstelle können kommerzielle Anbieter Bots / Anwendungen für den Messenger erstellen. So können Kunden einen Tisch im Restaurant bestellen oder ihr Uber-Auto bestellen. Am 14. Januar berichtete Niemanlab.org von einem Test der Bild im Instant Messenger. Ein Fußball-Ticker verschickt Nachrichten an Leser, die den Ticker im Messenger abonniert haben. Die Chat-API wird hier zwar nicht explizit erwähnt, aber AllFacebook.de geht davon aus, dass diese testweise vom Axel Springer Verlag eingesetzt wird. Spätestens wenn die API öffentlich gemacht wird, oder mehrere Partner zum Test zugelassen werden, können wir davon ausgehen, dass noch mehr Medienhäuser ihre Nachrichten nicht nur über WhatsApp, sondern auch über den Facebook Messenger anbieten werden.

Warum wird sich WhatsApp stark verändern? WhatsApp-Gründer Jan Koum hatte in dieser Woche einen bemerkenswerten Auftritt auf der DLD Konferenz in München (siehe Foto). Normalerweise geben die Tech-Konzerne keinen Einblick in ihre Roadmap. Wenn eine neue Funktion fertig oder zum Testen bereit ist, wird sie vorgestellt.  Und nicht eher. Ganz anders bei Koum. Er hatte News im Gepäck: Künftig wird WhatsApp seine jährliche Gebühr abschaffen. Um weiter wachsen zu können, soll der Service komplett kostenlos werden. „Die Leute sollen nicht das Gefühl haben, dass sie irgendwann von ihrer Kommunikation abgeschnitten werden, wenn sie nicht mehr bezahlen können.“

Wie will WhatsApp dann künftig Geld verdienen? Vor zwei Jahren betonte Koum bei seinem letzten DLD-Besuch noch, dass er stolz auf die Werbefreiheit des Dienstes ist. Werbeanzeigen soll es jetzt auch weiter nicht geben. Stattdessen sollen Firmen zahlen, wenn sie Service-Leistungen für ihre Kunden auf WhatsApp absolvieren möchten. Eine Airline informiert ihre Passagiere heute per Push-Meldung oder SMS über einen verspäteten Flug, warum nicht auch über WhatsApp?

Jan Koum beschrieb die Kommunikation der meisten Menschen an einem Tag so: Ein großer Teil läuft mit Freunden ab. Ein aber nicht zu unterschätzender Teil der Kommunikation läuft mit kommerziellen Anbietern ab. Und hier kommen wir zu den Plänen von WhatsApp: Bisher habe sich WhatsApp auf die private Kommunikation konzentriert und diese perfektioniert, so Koum. Als nächstes sei die kommerzielle Kommunikation an der Reihe. Das Geschäftsmodell: WhatsApp wird die Firmen für den Zugang zu den Kunden bezahlen lassen.  WhatsApp dürfte der Bedarf der Nutzer an Kommunikation mit kommerziellen Anbietern nicht entgangen sein.  Vielleicht ist der Bedarf sogar noch größer, als wir aus unseren Redaktionsstuben derzeit ahnen, wenn WhatsApp sogar sein Geschäftsmodel darauf stützen wird.

Was heißt das für Medien?

  • Endlich gibt es verlässliche Spielregeln für die eigenen Aktivitäten auf WhatsApp. Es entfällt die Angst, über Nacht alle seine Abonnenten zu verlieren.
  • Bisher läuft der Versand sehr rudimentär. Nutzergruppen lassen sich kaum spezialisiert ansprechen, schon gar nicht individualisiert. Ich erwarte langfristig ein individuelleres Push-System, um Leser mit für sie spannenden Nachrichten zu versorgen.
  • Bisher wird WhatsApp eher als Broadcast-Medium genutzt. Ich erwarte mehr Dialog mit den Nutzern. Im besten Fall werden richtige automatisierte Anwendungen entwickelt, in der Interaktionen zwischen Leser und Medienangebot stattfinden. Hier können sogar ganz neue Formate entstehen.
  • Wahrscheinlich heißt es aber auch, dass man sich seine Nutzerschaft noch einmal neu aufbauen muss. Wer das schon ein oder zwei Mal mitgemacht hat, wird sich hierauf nicht freuen.

Was heißt das für bisherige WhatsApp-Drittanbieter?

Ich glaube nicht, dass diese Ankündigung von Jan Koum das Aus für die Drittanbieter bedeutet. Sie können zwar nicht wie bisher weitermachen, aber sie können vielleicht sogar ganz neue Dienstleistungen schaffen. Vielleicht finden sie einen Weg ein Über-CMS zu entwickeln, mit dem Medienanbieter gleich verschiedene Messenger steuern können. Ich denke, dass nicht nur WhatsApp und Facebook Messenger diesen Weg gehen. Ein Über-CMS, welches nicht nur den Versand, sondern auch die Beziehungen zu den Nutzern regelt, würde bestimmt auf viel Interesse stoßen.

Es hat sich also in den letzten drei Wochen allerhand im Bereich der Messenger-Welt verändert. Die Zeichen stehen auf Veränderung. Auch wenn wir noch nicht wissen, welche Möglichkeiten am Ende tatsächlich umgesetzt werden, in einem Punkt bin ich mir sicher: In den nächsten zwölf Monaten wird sich die Messenger-Welt sehr stark verändern. Auf in das nächste Level!

(Foto: DPA)

One comment

  1. Sehr schöner Überblick. 2016ff wird definitiv das Jahr der Messenger und es bleibt spannend, wie sich das Thema entwickelt. Wird es die All-in-one Lösung basierend auf Facebook’s Messenger, lässt sich WhatsApp was schlaues einfallen und vorallem nehmen es die Nutzer an (Vermischung privat und Business). Wir werden es sehen. Ob WhatsApp tatsächlich Drittanbieter auf ihr neu entdecktes Spielfeld lässt, wird sich zeigen. Mit meinem Team habe ich eine andere Sichtweise entwickelt. Wir glauben, dass B2C getrennt von privaten Angelegenheit mehr Sinn macht. Die Tatsache, dass soziale Medien so laut geworden sind, weil so viele mitteilungsbedürftige Unternehmen teilnehmen und darin werben ist aus unserer Sicht der Grund, weshalb Messenger überhaupt so beliebt geworden sind. Sie sind regelrechte Rückzugsorte (Micro Communities), in denen Nutzer selbst entscheiden, wer rein darf und wer nicht. Schaut Euch gerne mal unseren Ansatz an bei Gelegenheit. Wir sind immer dankbar für Feedback, Anregungen und den konstruktiven Austausch. In diesem Artikel haben wir das Thema etwas aus unserer Perspektive beleuchtet – falls es den einen oder anderen interessiert: https://smoope.com/de/push-real-good-warum-es-zeit-ist-neue-wege-zu-gehen-im-marketing/

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