Organisator Philipp Steuer empfängt die Runde in Hamburg. Foto: Henning Bulka / RP

Live, exklusiv und unterhaltend: Was wir von „Happy Snapping“ für Snapchat lernen können

Wie kann uns Snapchat bei unserer Arbeit helfen – und wie lassen sich mit dem rasant wachsenden sozialen Netzwerk gute Geschichten erzählen und junge Zielgruppen erschließen? Mit der zweiten Ausgabe von „Happy Snapping“ hat Philipp Steuer am 23. Juni in Hamburg ein spannendes Event zu genau diesen Fragen in die nächste Runde geführt. Wir waren dabei.

Nach der Erstauflage in Berlin zur re:publica 2016 führte die zweite Ausgabe von „Happy Snapping“ in einen hippen Innenhof im Hamburger Schanzenviertel vor den Türen der Agentur Havas beebop. Vier Medien- und Öffentlichkeitsmacher haben dort ihre Erfahrungen geteilt – mit etwa 200 Gästen. Klar ist danach: Alle wollen Snapchat, immer mehr sind auf Snapchat – aber alle kochen bisher auch nur mit Wasser.

Die wichtigsten neun Learnings habe ich hier zusammengefasst, darunter folgen die vier Talks etwas ausführlicher:

  1. Snapchat-Stories sollten zur Snapchat-Zielgruppe passen – und die ist vornehmlich jung.
  2. Die Stories sollten kreativ erzählt werden und unterhaltend sein – dabei Mut zur Lücke!
  3. Vorab-Planung hilft dabei, Stress zu vermeiden und die Qualität hochzuhalten.
  4. Der Zugang sollte ein exklusiver sein (Perspektiven, die nicht jeder hat); hierbei siegt die Dreistigkeit – zum Beispiel, wenn man Stars zum Mitmachen überreden will.
  5. Der Eindruck sollte unmittelbar und „live“ sein, also unverfälscht (das widerspricht Punkt 3!).
  6. Der Zugang zum Thema sollte über eine Person geschehen (die sich auch zeigen sollte); hierbei setzt Pro7 auf zwei bis drei feste „Snapper“.
  7. Neben der Anbindung des Accounts an die eigene Marke helfen Influencer bei der Steigerung der Reichweite – und Sticker mit Snapcodes.
  8. Mindestens ein bis zwei Stories pro Woche sollten es sein (auf jeden Fall regelmäßig; aber nicht alles eignet sich zum Snappen).
  9. Interaktion ist hochwichtig und wird vom Gegenüber sehr wertgeschätzt („die haben mir geantwortet!“); selbst wenn man nicht auf alles eingeht – antwortet man regelmäßig auf einen Teil der Nachrichten, wird man die treuen Nutzer dabei erwischen.

Hanna Lauwitz / ZDF

hannamariarosa / zdflab
Projekt: ZDFlab / u.a. mit der Aktion Blickwechsel
Take-Over-Format: an fünf Tagen zeigen fünf Menschen ihr Leben – vom Rollstuhlfahrer bis zur Dragqueen

Learnings:

  • vorskizziertes Storyboard hilft als Stütze, wenn ein Protagonist mal nicht wusste, was er zeigen soll; Beispiel: ich habe den Stadtteil gewechselt, kann also einen Ortsfilter einsetzen
  • eine „Kaltprobe“, die also nicht online ging, hat den Machern geholfen, mit der App warm zu werden (einige kannten Snapchat vorher nicht)
  • die Leute müssen sich mit der App wohlfühlen, da Snaps Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sind
  • bei dem Projekt wurde „betreut gesnappt“; ein Redakteur stand zur Seite für Probleme – aber auch, um für das ZDF die Snaps abzunehmen, bevor sie „gesendet“ werden
  • Problem Urheberrecht: Wenn eine Story runtergeladen und woanders wieder hochgeladen wird, kann die Verwendung von Filtern einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen; Hanna sagt: Bisher ist Snapchat da noch nicht so hinterher, sie haben aber ziemlich gut im Blick, was man mit den Stories außerhalb von Snapchat macht
  • um den Kanal Snapchat zu bewerben, wurden die Stories neu geschnitten und zum Beispiel in der ZDF-Mediathek oder auf Facebook gepostet; für den Cutter wurden dabei die Snaps einzeln abgespeichert und in die Dropbox geladen (sehr aufwendig, aber offenbar einfacher für den Workflow)
  • Erfolgsmessung: Views per Snap; außerdem gibt es eine vierteljährliche Auswertung von Snapchat zur Entwicklung der Zahlen
  • Linkempfehlung: http://beimfunk.tumblr.com (eine der Grundlagen für das ZDFlab)

Nina Stegmann / Pro7

pro7official
Projekt: offizieller Kanal für Pro7
Markenkanal: alles, was es rund um den Sender zu snappen gibt (Behind the scenes & Liveberichte)

Learnings:

  • ganz am Anfang stand die „Snapchat-Woche“: jeden Tag hat jemand anderes einen anderen Bereich von Pro7 gezeigt; zum Beispiel der Werkstudent der Produktionsfirma von „Circus Halligalli“, aber auch jemand aus dem Vorstand
  • Ergebnis: 426 Snaps und somit 45 Minuten Content
  • im Maximum erreichte Pro7 damit in dieser Woche 55.000 Views pro Snap (das ist schon viel, damit lässt sich aber kein Geld verdienen; wichtig hierbei: ein View ist enorm wertvoll, denn er bedeutet – anders als ein Vorbeiscrollen im Facebookfeed – volle Aufmerksamkeit des Nutzers)
  • gepusht wurde der Kanal auch über das Fernsehen (Snapcode eingeblendet, Zahlen schossen in die Höhe)
  • als Youtube-Stars in der Story zu sehen waren, musste das Team die Nachrichtenfunktion abstellen
  • Promis wissen um die Wichtigkeit sozialer Medien; die Stars haben zum Beispiel beim „Germany’s Next Top Model“-Finale einfach so mitgemacht und dafür nicht extra die Hand aufgehalten
  • Vorteil von Pro7: ohnehin hohe Reichweite in der jungen Zielgruppe, junge relevante Inhalte; der Snapchat-Kanal fördert somit zu 100 Prozent die Markenbindung

Philip Siefer / Einhorn

einhornberlin
Projekt: offizieller Kanal für Kondom-Firma Einhorn
Wirkliche Learnings gibt es von diesem Talk nicht – außer natürlich, dass Philip eine coole Sau ist. „Wir haben keine Strategie für Snapchat“, hat er erzählt. Was Einhorn macht: Ziemlich viel Unsinn, sehr viele Filter, viele bunte Snaps – passend zur bunt-schrägen Marke Einhorn. Was sich daraus lernen lässt: Authentisch sein, keine Angst vor der App haben, loslegen – und nie den Bezug zur eigenen Marke außer Acht lassen.

Marius Notter / MitVergnügen HH

marierwin / mitvergnuegenhh
Projekt: offizieller Kanal für MitVergnügen Hamburg
Markenkanal: Snaps für ein junges Stadtmagazin ohne große Mittel

Learnings:

  • Snapchat hilft lokalen Medien bei ihrer lokalen Berichterstattung im 21. Jahrhundert – wenn Artikel und Bilderstrecken so langsam out sind
  • Problem: „Die Inhalte suchen sich ihre Plattform“, bestehende Formate funktionieren durch soziale Medien nicht mehr richtig (Fotos auf Instagram statt in der Fotostecke; Dokus und Interviews auf Youtube und Netflix statt auf der Website oder im Fernsehen)
  • Lokale Inhalte funktionieren auf Snapchat, wenn sie „exklusiv, live und entertaining“ sind
  • Vorteil: mit dem Smartphone (und Snapchat) kommt man häufig weiter als mit der großen Kamera
  • Wichtig: wer vor der Kamera steht, muss Entertainer sein – wer das nicht kann, sollte jemand anderen ranlassen
  • wenn man die Möglichkeit hat, Stars das Handy zum Snappen in die Hand zu drücken: Machen!
  • Snapcodes in einer Warteschlange bei einem Konzert verteilen hilft enorm bei der Reichweite (direkter Kontakt mit den Leuten)
  • Snapchat-Problem 1: Ältere Menschen werden mit Snapchat bisher nicht gut erreicht, eine Fokussierung auf Snapchat ist also nicht sinnvoll
  • Snapchat-Problem 2: Snap-Stories sind meist niedrig-qualitative Produktionen, gerade in einer Live-Umgebung (hektisch, abgehackt, unzuverlässig)

Wer jetzt noch mehr wissen will: Das kostenlose E-Book von „Happy Snapping“-Organisator Philipp Steuer mit vielen weiteren Details gibt es in diesem Internet.

RP ONLINE ist mit RPOsnaps übrigens auch auf Snapchat:

Snapcode RP ONLINE RPOsnaps

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