Ein Stück „Dusseldorf“ mitten in den USA

Auf heiß geliebtes aus der Heimat müssen wir bei unserem Ausflug ins Silicon Valley und zur South-by-Southwest in Austin (Texas) nicht verzichten.  Neben dem Blick auf die Trends der Digital-Szene gönnen wir uns jetzt einen Abstecher in die Welt der Restaurants und ihre manchmal sehr überraschenden Speisekarten.

Herbert Grönemeyer liegt falsch: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“, sang der Musiker in einem seiner bekannteren Hits. Vielleicht muss das jemand sagen, der aus Bochum kommt. Immerhin schmettert Grönemeyer seiner Stadt auch wenig schmeichelhaft „Du bist keine Schönheit“ entgegen. Und da liegt der Unterschied zwischen dem Ruhrpott und dem Rheinland. Bei uns nämlich überwiegt der Stolz bisweilen auch die Ehrlichkeit zu sich selbst. Und genau diese Eigenschaft verbindet den Rheinländer mit dem US-Amerikaner. Die kleinste Idee ist bereits „awesome“ (genial) und auch die dümmste Frage wird zur „very good question“ erhoben. Man fühlt sich entsprechend schnell aufgenommen und willkommen — fast wie abends in der Altstadt. Und das mit den Gemeinsamkeiten geht noch weiter. Zum Beispiel beim Geschmack. Glauben Sie nicht? Klar, von Chlorhühnchen bis Light-Bier gibt es ausreichend Vorurteile gegenüber dem US-amerikanischen Durchschnitts-Gaumen. Doch die Wahrheit liegt eben tiefer.

Lassen Sie uns einmal näher hinschauen: Ich besuche derzeit das Silicon Valley und die größte Digital-Konferenz der Welt. So ein Tag voller Inspiration in San Francisco macht hungrig. Wo also geht’s abends hin? Natürlich ins Steakhouse. Und nun raten Sie mal, was dort auf der Bierkarte steht. Light-Beer, Draught Beer und local Beer, klar. Doch dann das: Fuchschen Alt. Gut, mit den Umlauten haben sie es hier nicht so. Mit dem Geschmack aber schon. Denn es ist tatsächlich echtes Füchschen. Okay, ohne Schaum. Dafür aber mit ü.

Einen Tag später dann, in Texas, das gleiche Spiel: Zur bekanntesten Hotdog-Bude der Stadt müsse man gehen. Ein Tipp, dem auch viele Besucher der derzeit hier stattfindenden größten Digital-Konferenz der Welt folgen. Auch einige aus der Heimat. Bekannte Stimmen tauschen sich aus und vertraute Gesichter blicken in die Speisekarte, oder „Menu“, wie es hier heißt. Und was sehen sie dort? Einen Hotdog mit „original Dusseldorfer Senf“. Wieder ohne Ü-Pünktchen, dafür aber mit Geschmacksexplosion.

Fachlich bleibt von diesem Besuch weit mehr hängen, als hier Platz finden könnte. Persönlich dagegen sind es vor allem diese zwei Erkenntnisse: Erstens: Heimat ist Ort, Gefühl und Geschmack zu ungefähr gleichen Teilen. Und zweitens: Die amerikanische Küche ist gar nicht so simpel gestrickt wie man glaubt. Zumindest dann, wenn man ganz genau hin schaut. Naja, vielleicht nicht zu genau. Das mit den Umlauten müssen sie hier halt noch ein bisschen uben.

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